Fortbildung für Trainerinnen und Trainer

Ein Überblick über Lizenzen und Lehrgänge im BDK

Fortbildung für Trainerinnen und Trainer

Erfahrung ist wertvoll – eine fundierte Basis auch

Trainer*in sein ist eine wundervolle Aufgabe. Häufig sind es ehemalige Tänzerinnen und Tänzer, welche den Weg in die Trainerkarriere einschlagen. Zum Start häufig mit langjähriger, praktischer Erfahrung und dem Know-How, welches durch die eigenen Trainer*innen weitergegeben wurde.

Auch wenn Erfahrung das wertvollste ist, was man als Trainer*in haben kann: Es macht dennoch Sinn, sich mit den aktuellen Trainingsmethoden und theoretischem Fachwissen auseinander zu setzen. Denn nicht alles, was der bzw. die Vorgänger*in gelehrt hat, ist heutzutage noch korrekt.

Darum ist regelmäßige Fortbildung wichtig

Sicher kennst du den Spruch „Man lernt nie aus“. Das gilt nicht nur für den Beruf, sondern auch für unseren Sport. Trainingsmethoden und sportwissenschaftliche Erkenntnisse ändern sich. Und genauso sollte man auch als Trainer*in bereit sein, neues Wissen aufzunehmen und das eigne Training immer wieder zu optimieren.

Neben den Trainingsmethoden nehmen auch die Anforderungen in unserem Sport stetig zu. Auch Garden und Mariechen, welche keine Turniere besuchen, wollen heute Elemente wie die Grätschwinkelsprung oder den Bogengang beherrschen. Elemente, die zu meiner aktiven Zeit noch nicht von Bedeutung waren.

Als Trainerinnen und Trainer tragen wir die Verantwortung, für die langfristige Gesundheit unserer Schützlinge. Und um dieser gerecht zu werden, ist eine solide, fachliche Grundlage für die eigene Kompetenz sehr wichtig.

In diesem Artikel zeige ich dir daher verschiedene Möglichkeiten, wie du mit gezielten Schulungen dein Wissen rund um den Gardetanz und Showtanz steigern kannst und so zu einem besseren Trainer bzw. einer besseren Trainerin wirst.

Der erste Schritt: Grundausbildung

Trainerausweis im Bund Deutscher KarnevalIm Bund Deutscher Karneval (BDK) wird ein vielfältiges Ausbildungsprogram angeboten. Alles beginnt mit den Grundschulungen im Gardetanz und im Schautanz. Die Termine dafür werden von den Landesverbänden des BDK ausgeschrieben.

NEU: Seit 1. Juli gibt es eine zentrale Schulungsplattform des Bundesverbands für karnevalistischen Tanzsport (LkT), über welche die Termine zu den Schulungen deutlich leichter als bisher gebucht werden können.

Die Grundschulungen finden jeweils an einem Wochenende statt. Anschließend erhältst du einen Trainerausweis. Eine Prüfung gibt es dabei nicht.

Grundschulung Gardetanz (GSG)

Die Grundschulung Gardetanz besteht aus vier Stunden Theorie und vier praktischen Inhalten. Voraussetzungen muss du dafür nicht mitbringen.

An dem Tag lernst du die Bewertungskriterien und die Tanzturnierordnung des BDK kennen. Außerdem gibt es theoretischen Input zur Motivation der Gruppe, zur Gestaltung einer Choreografie und zur Visualisierung von Musik.

In der Praxis lernst du die Technik des Gardetanz kennen. Außerdem werden das spezielle Aufwärmtraining und die Grundschritte des Gardetanz behandelt. Zum Abschluss gibt es noch Variationen der Grundschritte und es wird eine kleine Choreografie erstellt.

Fortgeschrittenenschulung Gardetanz (FSG)

Nach der Grundschulung im Gardetanz kannst du eine 7-Stündige Fortgeschrittenenschulung besuchen. Hier wird nochmal detaillierter in verschiedene Gebiete eingetaucht:

  • Allgemeines Aufwärmtraining: Warm-up, Herz- und Kreislaufphase, Dehn- und Kräftigungsphase, Cool-down
  • Schwierigkeitsgrad: Einführung, Vertanzen von Schwierigkeiten
  • Schrittvielfalt: leichte und schwere Schritte, Variationen, Kombinationen, Arbeitsgruppen
  • Choreografie: Erarbeiten einer Choreografie, Visualisierung einer Musik, Kreative Gardetanzgestaltung

Die Grundschulung ist dabei Voraussetzung, dass du die Fortgeschrittenenschulung besuchen darfst.

Grundschulung Schautanz (GSS)

Auch die Grundschulung Schautanz setzt sich aus vier Theorie- und vier Praxisstunden zusammen. Im theoretischen Teil lernst du die Bewertungskriterien für den Schautanz und die Tanzturnierordnung des BDK kennen. Auch die Motivation der Gruppe ist wieder eine Themenschwerpunkt, zusätzlich zur theoretischen Erarbeitung eines Schautanzes.

In der Praxis dreht sich alles um das Aufwärmtraining, Elemente aus Aerobic, Jazz-Dance und Hip-Hop und Schauspielerische Fähigkeiten.

Fortgeschrittenenschulung Schautanz (FSS)

Vertiefen kannst du dein Schautanz-Wissen in der Fortgeschrittenenschulung. In sieben Stunden werden dir die folgenden Inhalte nähergebracht:

  • Allgemeines Aufwärmtraining: Warm-up, Herz-, Kreislaufphase, Dehn- und Kräftigungsphase, Cool-down Tanzstile, Folkloristisch, Humoristisch, Modern
  • Elemente des karnevalistischen Schautanzes
  • Aufbau eines Schautanzes: Drei Aufgaben für die Teilnehmer Requisiten und Kostümveränderung

Aufbauschulungen für besonderen Bedarf

Für einen Großteil der Gardetrainer*innen reichen die Aufbau- und Fortgeschrittenenschulungen aus, um mit fundiertem Wissen eine Garde zu leiten.

Doch: Man lernt nie aus 😊 Daher kannst du dich bei Bedarf auch weiter spezialisieren, um noch besser auf deine Tänzer*innen einzugehen. Welche Möglichkeiten du noch hast, erfährst du in diesem Abschnitt.

Kinderaufbauschulung (KAS)

Kinder beim DehnenDu leitest eine Jugendgarde oder trainierst ein Jugend-Tanzmariechen? Die Kinderaufbauschulung richtet sich an Trainer*innen, welche gezielt mit Kindern arbeiten. Voraussetzung ist dabei der Besuch der Grundschulung Gardetanz.

Die Kinderaufbauschulung dauert insgesamt sieben Stunden, zwei Stunden arbeitest du praktisch mit Kindern. In dieser Schulung lernst du Möglichkeiten des Aufwärmtrainings mit Kindern kennen. Außerdem werden die Themen Pädagogik, Rhythmik, Garde- und Showtanz sowie Solistentanz behandelt.

Aufbauschulung Solisten

Solist*innen haben besondere Anforderungen. So dreht sich neben dem Tanz an sich auch viel um das Thema Akrobatik. Eine Aufbauschulung speziell für Solist*innen ist daher sehr sinnvoll.

Auch hier lernst du in sieben Stunden gemeinsam mit deinem Solisten bzw. deiner Solisten oder Tanzpaar verschiedene praktische Inhalte kennen:

  • Aufwärmtraining
  • Schwierigkeiten und Vertanzen von Schwierigkeiten
  • Sprünge und Drehungen
  • Schrittvielfalt
  • Darstellung der Disziplin
  • Choreografie

Die Schulung besucht du gemeinsam mit deinem Solisten bzw. deiner Solistin oder Tanzpaar.

Schulung Tanzpaare (STP)

Für Trainer*innen von Tanzpaaren gibt es zusätzlichen zur Solisten-Aufbauschulung noch eine weitere Schulung. Auch hier nimmt der bzw. die Trainer*in gemeinsam mit dem Tanzpaar Teil. Der vorherige Besuch der Grundschulung Gardetanz sowie der Aufbauschulung Solisten ist Voraussetzung.

Behandelt werden in sieben Stunden die Themen Aufwärmtraining für Tanzpaare, Hebungen (verschiedene Leistungsstufen) und Darstellung der Disziplin Tanzpaare.

Für alle die mehr wollen: Trainer-C-Lizenz und Trainer-B-Lizenz

Das reicht dir immer noch nicht? Dann besteht die Möglichkeit, eine sportartspezifische Lizenz des Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu erwerben. Die Inhalte für die Trainer-C und mittlerweile auch die Trainer-B-Lizenz werden dir an mehreren Lehrgangswochenenden vermittelt.

Zum Erhalt der Lizenz musst du mehrere Prüfungen ablegen. Außerdem können nur bestimmte Trainer*innen an den Schulungsangeboten teilnehmen. Die Voraussetzungen sind:

  • Mitgliedschaft in einem Mitgliedsverein eines LkT, welcher zum Zeitpunkt der Lizenzerteilung auch Mitglied im DTV und des jeweiligen Landessportbundes sein muss.
  • Die Bestätigung des Vereinsvorstandes, dass er den/die Bewerber*in für geeignet hält, die Tätigkeit als Übungsleiter*in bzw. Trainer*in auszuüben.
  • Die Vollendung des 16. Lebensjahres zu Ausbildungsbeginn. Bei der Lizenzerteilung muss das 18. Lebensjahr vollendet sein.
  • Ein ärztliches Attest, dass keine gesundheitlichen Bedenken gegen die Ausbildung und den Einsatz als Übungsleiter bestehen.
  • Nachweis über die Teilnahme an einer Grundschulung Garde- und Schautanz des BDK, nicht älter als Vorjahr des Ausbildungsbeginns.

Trainer-C-Lizenz im karnevalistischen Tanzsport

Die Trainer-C-Lizenz im karnevalistischen Tanzsport inklusive Interview mit Ben Adams.Die Trainer-C-Lizenz hat das Ziel, einen einheitlichen Qualitätsstandard im Tanzsport zu schaffen. Sie besteht aus 120 Lerneinheiten – davon 75 fachliche (sportartspezifische) und 45 grundlegende (sportartübergreifende). Jede Lerneinheit nimmt 45 Minuten in Anspruch.

Die Schulung zeichnet sich durch einen hohen Praxisanteil in der Trainingshalle aus. Dort lernst du, als Trainerin bzw. Trainer vor einer Gruppe zu stehen und ein Training professionell zu leiten. Das Feedback der Teilnehmer*innen hilft dir dabei, dein Training noch besser zu machen.

Weitere Inhalte der C-Lizenz sind die Visualisierung von Musik, das Erstellen einer Choreografie, die Vermittlung von Synchronität und Schwierigkeiten, der Aufbau eines Trainings, der Umgang mit Tänzer*innen und die Regeln der Turnierordnung.

Insgesamt hast du zwei Jahre für alle Einheiten Zeit. Hinzu kommt dann noch die Prüfung. Diese teilt sich in einen schriftlichen und einen praktischen Teil sowie eine Lehrprobe. Die Lizenz muss regelmäßig verlängert werden.

Du willst mehr zur Trainer-C-Lizenz wissen? In meinem Interview mit Tanzsportler Ben Adams erfährst du viele praktische Details zum Lizenzerwerb.

Trainer-B-Lizenz im karnevalistischen Tanzsport

Seit 2021 wir die Möglichkeit der Trainer-B-Lizenz im karnevalistischen Tanzsport angeboten. Diese baut auf der Trainer-C-Lizenz auf und nimmt insgesamt 75 Lerneinheiten á 45 Minuten in Anspruch. Für den Erwerb ist ebenfalls eine Prüfung notwendig.

Die folgenden Inhalte werden im Rahmen der B-Lizenz behandelt:

  • Gardetanz: Trainingsmethoden im Bereich Synchronität und Ausführung, Kraft und Flexibilität speziell für Bein- und Fußarbeit oder Gesundheitsförderung durch Pilates und Yoga
  • Schautanz: Grundsprache und Basic Elemente im Bereich Contemporary und Street Dance, Intensivierung der schauspielerischen Fähigkeiten und Bühnenpräsenz oder spezielle Erweiterung im Hip Hop
  • Tanzmariechen: Erweiterung akrobatischer und Einführung in freie akrobatische Elemente, spezielle Elemente aus dem Bereich Ballett Tanzpaare und weibliche/gemischte
  • Garden: Aufbau von Hebungen für alle Altersklassen, Entwicklung und Erstellung von Choreografien und deren Darstellung
  • Sportmedizin: Physiologie der Muskeln und Gelenke, Störungen und Sportverletzungen, Ernährung im Leistungssport und Kinesiologisches Tapen
  • Pädagogik: Teambuilding und Teamförderung, Motivation, Mentales Training und Wettkampfsituationen
  • Sportorganisation: Aufsichts-, Haftungs- und Sorgfaltspflicht, Strukturen und Förderkonzeptionen im Sport

Weitere Schulungsangebote der Verbände

Neben diesen Hauptschulungen gibt es noch viele weitere, ganz spezifische Schulungs- und Seminarangebote der Verbände. Seit kurzem bietet der BKT als Bindeglied zwischen BDK und DTV Onlineseminare mit unterschiedlichen Themen, z.B. Musik schneiden, Kommunikation, Anatomie, Verletzungsprofilaxe oder Führung als Trainer*in an.

Auf der neuen Plattform des BKT werden diese Angebote übersichtlich dargestellt und sind direkt online buchbar.

Von ehemaligen Profis für Aktive

Tanzworkshop von Dance-Fit

Bild: Dance-Fit

Doch auch außerhalb der Verbände können Trainerinnen und Trainer sich fortbilden. So bietet Dance-Fit als bekannter Anbieter im Tanzsport bereits seit vielen Jahren Tanzworkshops in ganz Deutschland an. Der Fokus liegt hier im Lernen neuer Schritte, Choreografien und Technik.

Ehemalige Tänzer*innen und Trainerprofis geben ihr Know-How ebenfalls weiter. So hat Jana Pearce kürzliche mehrere Online-Workshops angeboten. Und Nicole Vogel vermittelt mit umfangreicher Fachliteratur ebenso wichtig Grundlagen, die jeder Trainierende kennen sollte.

Auch bei Anbieter, welche nicht direkt aus dem Tanzsport kommen, kann man sich neuen Input holen. So bietet Sydnee Ingendorn – seines Zeichens Turntrainer – mittlerweile viele Akrobatikworkshops für Solist*innen an.

Und das sind nur einige bekannte Namen. Es gibt noch viele weitere Angebote, mit welchen sich Trainerinnen und Trainer neuen Input holen können.

Fazit: Man lernt nie aus – und das muss man auch nicht. Denn das Angebot an Schulungen ist unermesslich groß. Mich würde nun interessieren: Hast du schon einmal eine Schulung besucht? Schreibe es mir gerne in die Kommentare.

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