3 Strategien für mehr Motivation

So werden deine Tänzer*innen das Gardetraining lieben

4 Strategien für mehr Motivation

Endlich motiviert

Träumst du auch davon, dass deine Tänzerinnen und Tänzer Woche für Woche zum Training kommen und keine Abmeldungen mehr eintrudeln? Dass sie aufmerksam sind, zuhören und motiviert neue Herausforderungen annehmen?

Dass sie selbstständig ihre Schwächen erkennen und mit viel Energie daran arbeiten, diese auch außerhalb der normalen Trainingszeit zu verbessern?

Dann bist du nicht allein! Denn das Verlangen nach mehr Motivation verspüren wir alle. Schließlich macht es uns das regelmäßige Training deutlich einfacher.

Doch wie bringen wir unsere Schützlinge dazu, motivierter zu werden? Und was ist Motivation überhaupt? Schauen wir uns das Thema heute einmal genauer an.

Motivation: Eine Frage deiner Motive

Es ist Montagmorgen, dein Wecker klingelt – natürlich wie immer viel zu früh. Wie motiviert bist du, genau jetzt aufzustehen und zur Arbeit oder zur Schule zur fahren?

Ein Großteil der Menschen wird diese Frage mit „gar nicht motiviert“ beantworten. Der Hintergrund liegt in unseren Motiven. Warum fahren wir zur Arbeit oder gehen zur Schule? Weil wir müssen, um Geld zu verdienen oder einen guten Abschluss zu machen (um später gutes Geld zu verdienen)? Oder stehen wir auf, um etwas zu tun, was uns wirklich erfüllt und einen persönlichen Mehrwert gibt?

Du siehst, es liegt in dir drin. Wenn deine Motive und Ziele für eine Sache stark genug sind, dann hast du mehr Energie – also Motivation – etwas Bestimmtes zu tun. Und genauso ist es auch mit dem wöchentlichen Training.

Woche für Woche steht jeder von uns wieder vor der Entscheidung: Gehe ich jetzt ins Training oder mache ich etwas anderes. Je mehr Gründe für das Training sprechen, je stärker deine Ziele sind umso eher wirst du die Motivation finden, dich für das Training entscheiden.

Bei der Motivation können wir zwei Bereiche unterscheiden. Zum einen gibt es den Unterschied zwischen Extrinsischer und Intrinsischer Motivation, zum andere unterscheidet man zwischen der „Weg-von“ und einer „Hin-zu“ Motivation. Die Unterschiede zu verstehen ist wichtig, um deine Tänzerinnen und Tänzer optimal motivieren zu können.

Extrinsische Motivation

Extrinsische Motivation beschreibt die Motivation von außen. Das heißt jemand – zum Beispiel du als Trainer*in oder die Eltern – versuchen von außen eine Motivation beim Tänzer bzw. bei der Tänzerin zu erzeugen.

Das geschieht zum Beispiel durch häufiges Loben „Du sitzt großartig im Spagat“ oder durch Belohnungen und Anreize „Wenn du dich heute anstrengst, bekommst du später ein Eis“. Auch im Berufsleben kennen wir diese extrinsische Motivation, sie zeigt sich beispielsweise im Gehalt oder einer Beförderung.

Extrinsisch kann man allerdings auch negativ motivieren, indem man mit Zwängen oder Druck arbeitet: „Wenn du die Beinführung nicht schaffst, kommst du nicht in die Startaufstellung“.

Intrinsische Motivation

Die intrinsische Motivation kommt ohne externe Einflüsse aus, denn sie entsteht in unserem Inneren. Beispielsweise durch Neugierde und Interesse an einem Thema. Ihr kennt es vielleicht noch aus der Schule: Es gab Fächer, die ihr einfach spannender fandet als andere. Hier seid ihr ganz von selbst motivierter, mehr Arbeit reinzustecken und besser zuzuhören.

Auch Wachstum und Fortschritt können intrinsisch motivieren. Wenn ihr selbst mit jedem eurer Schritte merkt, wir ihr besser werdet. Bei Menschen, die mit dem Sport beginnen, kann sich diese Art der Motivation schnell einstellen, wenn sie merken, wie die ersten Pfunde purzeln und Muskeln wachsen.

Die stärkste Art der intrinsischen Motivation sind Ziele und Vorbilder. Fragt einmal Top-Sportler nach ihren Vorbildern: Sie alle werden euch mindestens einen anderen Sportler nennen können, zu dem sie aufschauen.

Vorbilder und Ziele – zum Beispiel den Spagat mit rechts können oder einmal auf der Deutschen Meisterschaft tanzen – motivieren am stärksten und geben eine Richtung vor.

Extrinsische vs. Intrinsische Motivation – Was wirkt besser?

Kurzfristig gesehen können beide Arten der Motivation Einfluss auf die Leistung deiner Tänzerinnen und Tänzer haben. Das Problem: Du willst deine Schützlinge ja langfristig halten und für den Sport begeistern.

Extrinsische Motivation hat nur eine kurze Lebensdauer. Sie muss ständig neu verstärkt werden. Ein Beispiel: Du arbeitest in einem Job, der dich nicht ausfüllt. Nun bekommst du eine Gehaltserhöhung. Diese wird dich kurzfristig glücklich machen – langfristig arbeitest du allerdings weiterhin in einem Job, der dich nicht glücklich macht.

Wenn du also nicht in dir selbst Neugier und Interesse an dem Job findest und Ziele hast, die du erreichen willst, wirst du trotz dem höheren Gehalt wieder deine Motivation verlieren.

Und so ist es auch in der Garde. Ihr müsst es also schaffen, eure Tänzerinnen und Tänzer von innen heraus zu motivieren und mit der positiven extrinsischen Motivation gezielt zusteuern.

„Weg-von“ und „Hin-zu“-Motivation

Diese Unterscheidung sieht Motivation nochmal von einer anderen Seite.

Bei der „Weg-von“-Motivation gibt es immer einen Schmerzpunkt, einen unerwünschten Zustand, von dem du wegwillst. Hier einige Beispiele:

  • Ich will kein schlechtes Feedback mehr von meinem Trainer bekommen
  • Ich möchte nicht mehr in der letzten Reihe aufgestellt werden
  • Ich möchte nicht mehr nach der Hälfte des Tanzes keine Luft mehr bekommen

Das alles sind „Weg-von“-Motivatoren. Das Problem: Diese sind negativ ausgedrückt und geben dir daher weniger Motivation als die „Hin-zu“-Motivatoren:

  • Ich will, dass mein Trainer mich lobt
  • Ich möchte in der ersten Reihe tanzen
  • Ich will die Ausdauer haben, bis zum Ende des Tanzes alles zu geben

Du siehst: Bei der „Hin-zu“-Motivation drücken wir unsere Wünsche positiv aus, setzen uns Ziele. Deswegen ist diese Art der Motivation erfolgreicher als die „Weg-von“-Motivation.

Deine Motive sind entscheidend

Nun sind wir der Sache mit der Motivation schon ein ganzes Stück nähergekommen. Werden wir jetzt etwas praktischer.

Wenn du mit deinen Tänzerinnen und Tänzern das Thema Motivation angehst, starte ganz am Anfang mit der Frage: Warum hast du eigentlich mit dem Tanzen angefangen?

Gib deinen Schützlingen Zeit, über diese Frage in Ruhe nachzudenken und lass die Antwort aufschreiben. So bekommst du schon einen ersten Einblick in die individuellen Motive. Grundsätzlich kann man hier verschiedene Motive erkennen:

Leistungsmotiv

Das Leistungsmotiv kann sich in Sätzen wie „Ich will auf der Bühne stehen“ oder „Ich will bei einem Turnier mittanzen“ äußern, oder auch einfach „Ich will mich sportlich betätigen“. Diese Tänzer*innen haben schon einen recht großen Motivator in sich: Sie wollen eine bestimmte Leistung erreichen, sich verbessern, dazulernen und besser als andere sein.

Leistungsorientierte Tänzer sind oftmals motivierter als andere.

Anschlussmotiv

Das Anschlussmotiv ist das häufigste Motiv, eine sportliche Aktivität in der Freizeit auszuüben (Quelle: Untersuchung von Janssen und Strang unter 522 SchülerInnen im Jahr 1982). „Meine Freundin tanzt auch hier“ und „Ich will nicht allein sein“ stecken hinter diesem Motiv.

Diese Tänzer*innen sind zuerst nicht wegen dem Sport, der Sache an sich da – sondern wegen den anderen Tänzerinnen und Tänzern. Hier gilt es also für den Trainer bzw. die Trainerin, ein Interesse für den Sport und eine Leidenschaft zu wecken. Sonst werden diese Tänzer*innen schnell die Motivation verlieren und sich nur noch „durchschleifen“ oder aufhören.

Machtmotiv

Dieses Motiv ist für Tänzer*innen im Gardetanzsport eher schwer zu beschreiben, da es im Grunde darum geht, etwas zu kontrollieren. Versuchen wir es mit zwei Beispielen:

  • Der Trainer bzw. die Trainerin möchte, dass sich die Tänzer*innen gemäß den eigenen Anweisungen verhalten
  • Die Tänzer*innen wollen ihre Fähigkeiten zeigen und im Mittelpunkt stehen – die Kontrolle über das Team haben

Man könnte also vermuten, das vor allem Trainer*innen über ein ausgeprägtes Machtmotiv verfügen. Doch in Studien wird auch vermutet, dass sich die Machtausübung nicht nur auf andere, sondern auch auf sich selbst beziehen kann: „Ich kontrolliere mich selbst, ich habe Macht über mich“.

Dieses Motiv ist, wie eingangs gesagt, eher schwer zu beschreiben. Ich führe es daher nur der Vollständigkeit halber auf.

Grundsätzlich hat keiner nur ein Motiv, es geht immer darum, wie stark die einzelnen Anteile ausgeprägt sind.

3 Strategien für mehr Motivation

Steigen wir nun richtig in die Praxis ein. Was kannst du als Trainer*in tun, damit deine Schützlinge motivierter werden – am besten natürlich von innen?

Ziele setzen

Ziele helfen bei der Motivation. Das sorgt automatisch für mehr Konzentration im TrainingWie eingangs schon erwähnt ist das Thema Ziele am bedeutendsten für die eigene Motivation. Ziele zeigen dir eine Richtung, sie geben dir einen Weg vor.

Wichtig ist, dass du dir Ziele richtig setzt. Dabei kannst du die SMART-Formel zur Hilfe nehmen:

  • S wie Spezifisch: Ein Ziel wie „Ich möchte besser werden“ bringt nicht viel, da es sehr ungenau ist. Wie definierst du „besser“? Was genau willst du verbessern? Versuche hier so direkt und konkret wie möglich zu werden, zum Beispiel „Ich möchte den Rechtsspagat auf dem Boden sitzen“.
  • M wie Messbar: Auch hier passt das Beispiel von oben gut, den „besser werden“ ist nicht messbar, „auf dem Boden sitzen“ gibt dir hingegen das Maß genau vor. Achte also bei deiner Zieldefinition immer darauf, dass du auch wirklich messen kannst, wann du es erreicht hast.
  • A wie Akzeptiert: Hier kommt wieder das Thema intrinsische Motivation ins Spiel. Wenn du als Trainer*in das Ziel hast „Du springst in diesem Jahr den freien Menichelli“, dein Tanzmariechen kann sich damit aber gar nicht anfreunden – dann bringt dir auch das Ziel nichts. Ein Ziel muss von allen Seiten akzeptiert werden.
  • R wie Realistisch: Klar, du sollst dir hohe Ziele setzen. Doch wenn sie extrem unrealistisch sind, wird sich damit keiner identifizieren können. Ein Beispiel: Ihr habt in den letzten Jahren Punktzahlen um die 430 getanzt. Nun setzt du das Ziel „Nächste Saison werden wir Deutscher Meister“. Dann ist das sehr unrealistisch. Und Ziele, die fernab jeder Realität liegen, demotivieren mehr als das sie motivieren. Sei dir also über deine Grenzen im Klaren.
  • T wie Terminiert: Setzte dir einen klaren Endzeitpunkt, sonst ist dein Ziel nicht verpflichtend genug. Wenn du also sagst „Ich möchte bis zum 11.11.2020 den Rechtsspagat auf dem Boden sitzen“, so kannst du deine Schritte bis zu diesem Termin ganz genau planen.

Du siehst, Ziele zu setzen ist gar nicht so schwer. Wenn du dein Endziel hast vergiss nicht, dir auch noch Zwischenziele zu setzen. So bleibst du auf dem richtigen Weg und hältst du Motivation auch über einen langen Zeitraum hoch.

Demotivatoren enttarnen

Einer der größten Demotivatoren ist das HandyNahezu jeder Tänzer wird sagen, dass er gerne besser im Spagat oder der Beinführung wäre – und doch scheitern viele auf dem Weg dahin. Denn leider reicht es nicht, nur Ziele und Wünsche zu haben. Viel wichtiger ist, dass du erkennst: Was hindert mich? Was steht meiner Zielerreichung im Weg?

Das sind Demotivatoren, die dich immer wieder runterziehen. Zum Beispiel kann es das Sofa sein, auf dem du vorm Training gelandet bist und dich nun nicht mehr aufraffen kannst. Besser: Packe deine Trainingssachen schon einen Tag vorher und fahr direkt von der Arbeit in die Halle. Wenn das zeitlich nicht passt, halte dich vorher auch zuhause wach und aktiv.

Es kann aber auch das Handy sein, welches dich wieder gefangen hält. Hier noch eine Nachricht schreiben, hier noch ein Video einsehen – Sport? Mache ich später. Oder morgen. Besser: Richte dir gezielt Handyzeiten als „Belohnung“ ein. Zum Beispiel nach dem Training.

Welche Demotivatoren hast du in deinem Leben? Schreib mir gerne in die Kommentare.

Lob und Dankbarkeit

Mit Dankbarkeit und Lob kommt automatisch mehr Motivation.Wie oft lobst du deine Tänzer*innen eigentlich? Auch wenn Lob und Belohnung ein extrinsischer Faktor ist, so ist es doch ein wirkungsvolles Instrument der Motivation. Denn wenn deine Schützlinge merken, dass du ihre Fortschritte und ihre Leistung bemerkst und lobst, dann schlägt dies auch auf die intrinsische Motivation über. Also: Lobe öfter.

Und wenn dir selbst einmal die Motivation fehlt, dann reflektiere doch einmal, was du schon alles erreicht hast. Unternimm eine Gedankenreise zu den großartigen, wunderbaren Momenten. Und sei dankbar für deine Erfolge. Aus dieser Dankbarkeit kannst du viel Energie für deine Motivation schöpfen.

Motivation und Disziplin in Einklang

Jeder hat mal einen schlechten Tag, dass wissen wir doch alle. Wenn die Motivation tatsächlich mal auf der Strecke bleibt, kann die Disziplin kurzzeitige Phasen überbrücken. Beides steht in Einklang zueinander, denn niemand ist nonstop immer motiviert – auch wenn es ums Lieblingsthema geht.

Ich hoffe, mit diesem Artikel konnte ich dir etwas bei der Motivation deiner Tänzer*innen helfen. Hast du noch weitere Tipps für Motivation? Dann freue ich mich über einen Kommentar von dir.

Deine Lisa von keep-dancing

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