Gardetanz

Was ist das eigentlich?

Sportart Gardetanz im Detail erklärt

In diesem Artikel dreht sich alles um den Tanzstil Gardetanz, vielerorts auch Marschtanz genannt. Der Gardetanz ist eine Disziplin im übergeordneten Bereich des karnevalistischen Tanzsportes.

Er ist häufig vor allem in Karnevalsvereinen zu finden – es gibt allerdings auch spezielle Tanzsportvereine, in welchen der Gardetanz ausgeübt wird.

Der Gardetanz vereint die sportlichen Anforderungsbereiche Kraft, Flexibilität und Tanz in einer einzigartigen Weise miteinander. Er kann dabei sowohl als Einzelsport (Solistin/Tanzmariechen, Solist/Tanzmajor) gemeinsam als Paar oder in einer Gruppe (Garde) ausgeführt werden.

Im Einzel- und Paarbereich rückt vor allem der akrobatische Aspekt des Sportes in den Fokus, während es bei der Gruppe um absolute Synchronität und Gleichheit der Ausführung geht.

Doch Gardetanz ist nicht gleich Gardetanz: Insgesamt gibt es vier Verbände in Deutschland, in welchen dieser Tanzstil beheimatet ist. Alle Verbände haben für sich gesehen nochmal unterschiedliche Anforderungen an den Gardetanz definiert.

Im folgenden Text erfahrt ihr mehr zu den Unterschiedenen in den Verbänden. Wir schauen uns an, wie der Gardetanz entstanden ist und wie er sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Außerdem gibt es reichlich Informationen zu den Grundelementen des Tanzstils, den Kostümen und der Musik.

Verbände für den Gardetanz

Bund Deutscher Karneval (BDK)

Logo des Bund Deutscher Karneval (BDK)Es gibt in Deutschland vier Verbände, in welchen der Gardetanz ausgeübt wird. Der älteste und Mitgliederstärkste Verband ist der Bund Deutscher Karneval (BDK). Im BDK gibt es im Jugend- und Junioren-Bereich die drei Gardetanz-Disziplinen Tanzpaar, Tanzgarde und Tanzmariechen. Ein Tanzpaar besteht aus einem männlichen und einer weiblichen Tänzerin, in der Tanzgarde dürfen beide Geschlechter mittanzen und das Tanzmariechen ist eine rein weibliche Disziplin.

Bei den Ü15-Gruppen gibt es ebenfalls das Tanzpaar und das Tanzmariechen. Die Tanzgarde wird nochmals unterteilt in weibliche Garde und männliche oder gemischte Garde. Bei der gemischten Garde muss der Anteil der männlichen Tänzer zu den weiblichen Tänzerinnen 1 zu 3 betragen.

Beim Gardetanz im BDK geht es um die Verbindung von tänzerischer Eleganz mit sportlichen Elementen. Ein wichtiger Punkt ist zudem die erkennbare Freude am Tanz, eine Exaktheit in der Ausführung der gezeigten Elemente sowie eine Vielfalt in Schritten und Choreografie. Die vollständigen Bewertungskriterien findest du hier.

Rheinische-Karnevals-Kooperation (RKK)

Logo der Rheinischen-Karnevals-KooperationDer RKK wurde zunächst als Landesverband im BDK gegründet, bis er sich 1972 eigenständig machte. Im RKK gab es bis 2018 fünf Gardetanz-Disziplinen: Gardetanz Gruppe Jungen/Herrengarde (max. ein Mariechen), Gardetanz Gruppe gemischte Garde, Gardetanz Gruppe Mädchen-/Damengarde, Gardetanz Paar Tanzmariechen und -offizier und Gardetanz Solo Tanzmariechen. Im Jahr 2019 ist hier die Disziplin Gardetanz Solo Tanzmajor hinzugekommen.

Auch im RKK werden drei Altersklassen – Kinder, Junioren und Senioren – unterschieden. Wie beim BDK auch gibt es im RKK Tanzsportturniere bis hin zur Deutschen Meisterschaft.

Harmonie, Synchronität und eine Exaktheit in den Bewegungen und Formationswechseln zeichnen den Gardetanz auch im RKK aus. Wie beim BDK geht es um eine möglichst hohe Schrittvielfalt und einen gelösten und fröhlichen Gesichtsausdruck. Die vollständigen Bewertungskriterien findest du hier.

Deutscher Verband für Garde- und Schautanzsport (DVG)

Logo des Deutscher Verband für Garde- und Schautanzsport (DVG)Der DVG ist ein junger Verband in der Liste der Tanzsportverbände. Gegründet wurde er 1986.

Im DVG gibt es insgesamt fünf Disziplinen in der Kategorie Gardetanz: Marsch, Garde Solo, Garde Paar, Polka und Gardetanz mit Hebefiguren. Zudem unterscheidet man hier die Altersklassen Schüler (5 bis 11 Jahre), Jugend (12 bis 15 Jahre) und Haupt (ab 16 Jahren). Dabei wird die Schülerklasse nochmals in Schüler Minis (5 bis 8 Jahre) und Schüler Maxis (9 bis 11 Jahre) unterteilt.

Als einziger Verband gibt es im DVG ein sogenanntes Ligensystem. Hier kann man je nach Leistung auf- oder absteigen und sich somit Tänzerinnen und Tänzern eines ähnlichen Leistungslevels messen.

Der Gardetanz im DVG hebt sich je nach Disziplin deutlich von den Tänzen im BDK und RKK ab. In der Disziplin Marsch gibt es zum Beispiel keine Spagate – welche in den anderen Verbänden fest dazu gehören. Vielmehr liegt das Augenmerkt auf exakten, zackigen und geradlinigen Ausführungen mit kreativen und vielzähligen Beinwürfen- und Schrittvariationen. Der Polka zeichnet sich durch eine hohe Geschwindigkeit und komplizierte Arm- und Beinkombinationen aus.

Details zu den Gardetanz-Disziplinen des DVG findest du hier.

Internationale Interessengemeinschaft für Tanzsport (IIG)

Logo der Internationale Interessengemeinschaft für Tanzsport (IIG)Wie der Name bereits sagt, ist die IIG ein internationaler Verband. Hier kann man sich nicht nur deutschlandweit, sondern auf international mit Tänzerinnen und Tänzern messen. Der Fokus des Gardetanzes liegt in Deutschland, den Niederlanden und Österreich.

Gardetanz-Disziplinen gibt es sechs an der Zahl:

– Polka: Garde Solo, Garde Paar, Garde-Polkatanz-Gruppe,
– Polka und/oder Marsch: Rheinische Garde und Garde mit Paaren,
– sowie Marschtanz Gruppe

Bei den Altersklassen gibt 4 bis 7 Jahre, bis 11 Jahre 12 bis 15 Jahre und ab 16 Jahren.

Die Disziplinen sind durch klare Regeln voneinander abgegrenzt. So dürfen in der Rheinischen Garde keine Turnelemente wie beispielsweise Räder gezeigt werden. Der Marschtanz kennzeichnet sich durch die drei Grundschritte Marschschritt, Stechschritt und Battement (Beinwurf) – gesprungen wird hierbei nicht.

Details zu den Gardetänzen findest du hier.

Gardetanz im allgemeinen Sprachgebrauch

Fazit: Es gibt sehr viele verschiedene Arten des Gardetanz. Der geläufigste und von Karnevalsveranstaltungen bekanntester Stil ist der des BDK und RKK. Daher beziehe ich mich im Folgenden insbesondere auf diesen – was keinesfalls bedeutet, dass die anderen Stile keine Daseinsberechtigung haben. Allerdings würde der Artikel sonst den Rahmen sprengen.

Wie ist der Gardetanz entstanden?

Laut Wikipedia geht der Gardetanz zurück auf sogenannte Girltruppen der Revutheater in den 1920er und 1930er Jahren. In Varietés haben diese Damen ihr hauptsächliches männliches Publikum mit knappen Röcken, die viel Bein zeigten, unterhalten.

Vor allem lange Beinreihen waren schon zu dieser Zeit ein Blickfang und sind bis heute eines der wichtigsten und markantesten Elemente des Gardetanzsports.

Doch bereits weit vor den goldenen Zwanziger Jahren gab es weibliche Tanzgruppen, welche ihre Zuschauer unterhielten.

Aus der Sendung vom

Geschichte der Tanzgarden beginnt im 16. Jahrhundert

Den Ursprung der bekannten Karnevalsgarden kann man im Frankreich des 16. Jahrhunderts finden (Quelle: Saalenarren). Die sogenannten „Ballettmaskeraden“ waren Tänze, welche zur Unterhaltung der adeligen Gesellschaft gezeigt wurden.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gab es am Hof des Königs Ludwig des XIV in Paris das bekannte „Ballet de Cour“. Dieses stellte tänzerisch und akrobatisch Szenen zum Lob des Königs dar. Auch an deutschen Adelshöfen wurden diese Tänze nachgeahmt – der Start des Karnevals, bevor er volkstümlich und für das Bürgertum zugänglich wurde.

Tanzgarden bis zu den 50er Jahren ausschließlich mit männlichen Tänzern

Nach dem ersten Weltkrieg fanden die Garden zurück auf die Karnevalsbühne – allerdings in rein männlicher Besetzung. Der Hintergrund: Eine Persiflage auf das Militär. Daher ist eines der Hauptelemente im Gardetanz bis heute das Marschieren und auch die Uniformen und Kostüme orientieren sich am Militär.

Übrigens war auch das Funkenmariechen ein Mann – der Paartanz eine komödiantische Einlage für das Publikum. Erst zur Zeit des Nationalsozialismus wurde das Tanzmariechen von einer Frau besetzt – Männer in Frauenkleidern wurden aufgrund der Homophobie der Zeit verboten.

Aus dieser Mariechenfigur entwickelten sich die Gardetänzerinnen und übernahmen seit den 50er Jahren die Bühnen der Karnevalsvereine.

Jüngste Entwicklung des Gardetanz

Die Ü-15 Garde des Flöher Kirmes- und Karnevalsverein e.V.Nach Ende des Nationalsozialismus nahm der Gardetanz rasant an Fahrt auf. 1953 gründete sich der Bund Deutscher Karneval, welcher in den 60er Jahren das erste Gardetanzturnier in Deutschland ausrichtete.

Waren die Bewegungen der Tänzerinnen zu Anfang noch sehr militärisch geprägt, orientierten sie sich schnell am eleganten und optisch ansprechenden Revu-Tanz. Die Röcke wurden kürzer, die Beine flogen höher.

Mit Ausrichtung des ersten Turnieres nahm der Gardetanz seinen Platz als leistungsorientierter Sport ein. Akrobatik hielt mehr und mehr Einzug, die Schritte und Figuren wurden anspruchsvoller.

Heute findet sich der Gardetanz in nahezu jedem Örtchen in Deutschland wieder. Die Garde ist auf Karnevalsveranstaltungen nicht mehr weg zu denken. Unterschiedliche Level – von reinen Auftrittsgarden bis zu Leistungsgruppen – machen den Gardetanz zu einem beliebten Hobby für eine Vielzahl an Mädchen und Jungs.

Tanzstil Gardetanz unter der Lupe

Eleganz, Exaktheit, Akrobatik, Freude, Schrittvielfalt, Kraft, Beweglichkeit – diese Reihe könnte man endlos fortführen. Der Gardetanz ist ein besonderer Tanzstil, der eine hohe Anforderung an die Tänzerinnen und Tänzer, die diesen ausüben, stellt.

Im folgenden Abschnitt dreht sich alles um die Unterschiede zwischen den Solo- bzw. Paar- und den Gruppentänzen sowie die Grundelemente des Gardetanz.

Tanzgarden (Gruppen)

Gardetanz zeichnet sich durch seine Geradlinigkeit, Eleganz und vielfältige Schrittkombinationen aus. Tanzt man diesen in der Gruppe, so ist das Ziel eine absolute Synchronität in den Schritten. Ob zehn oder dreißig Tänzerinnen: Die Garde soll aussehen wie aus einem Guss – eine Einheit, welche sich gleichförmig und leichtfüßig über die Bühne bewegt.

Der Schwerpunkt liegt bei Garden neben der Synchronität in einer ausgefeilten Choreografie. Wechselnde Bilder wie Reihen, Kreise, V-Formationen oder der Stern machen den Gardetanz abwechslungsreich und spektakulär.

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Neben den Schritten und Bildern ist insbesondere auch der Ausdruck der Tänzerinnen und Tänzer wichtig. Über diesen soll eine Leichtigkeit und Freude am Tanzen vermittelt werden. Für den Zuschauer soll das Gefühl „ist doch einfach“ erreicht werden – warum der Gardetanz häufig auch belächelt wird und mit den Vorurteilen „es ist kein richtiger Sport“ bzw. „das kann doch jeder“ behaftet ist.

Das er alles andere als einfach ist zeigen die vielen Stunden Training welche notwendig sind, um die höchste Form der Präzision zu erreichen. Insbesondere Turniergarden stehen häufig mehr als sechs Stunden die Woche gemeinsam in der Trainingshalle, um die gewünschte Perfektion zu erzielen.

Solisten (Tanzmariechen/Tanzmajor) und Paare

Auch im Solisten- und Paarbereich geht es um Eleganz, Anmut und Präzision. Die technisch korrekte Ausführung der Schritte gepaart mit einer fröhlichen und natürlichen Ausstrahlung ist ausschlaggebend für den Tanz.

Neben der Schrittvielfalt geht es bei den Solistinnen und Solisten zusätzlich um akrobatische Elemente, welche den Tanz besonders machen und dem Zuschauer den Atem rauben. Bei Paaren kommen zudem noch spektakuläre Hebefiguren hinzu.

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Noch mehr als in der Gruppe kommt es hier auf Kraft und Beweglichkeit an, welche im passenden Maße zusammenkommen müssen. Nur so können Sprünge und akrobatische Bewegungen mit Leichtigkeit auf die Bühne gebracht werden.

Grundelemente des Gardetanz – Schritte

Die folgende Aufzählung soll eine Übersicht der Grundelemente im Gardetanz bieten. Je nach Verband und Disziplin kann es hier natürlich andere Anforderungen geben.

  • Marschieren: Wie bereits in der Geschichte des Gardetanz beschrieben, geht das Marschieren zurück auf das Militär. Unterschieden werden das Winkelmarschieren und das Stechmarschieren. Das Marschieren ist ein Pflichtelement und wird häufig für Formationswechsel genutzt.
  • Winkelschritte: Ähnlich wie das Winkelmarschieren, nur das diese gesprungen werden. Winkel können seitlich oder nach vorne erfolgen, am Knie geschlossen oder offengehalten werden. Zudem gibt es ausgedrehte Winkelschritte.
  • Beinschwünge (Battements): Wichtig für Beinschwünge ist eine gute Körperspannung und Dehnbarkeit der Beine sowie Flexibilität der Hüfte. Man unterscheidet vier Höhen: 45°, 90°, 135° sowie 180°. Beinschwünge können gerade nach vorne, seitlich und auch nach hinten erfolgen. Besonders in langen Reihen zeitgleich durch alle Tänzer*innen ausgeführt kommen sie besonders zur Geltung.
  • Drehungen: Auch Drehungen gehören zum Gardetanz dazu. Die an der häufigsten vertanzten Form ist die Anschlagdrehung, bei welcher ein Fuß ans Knie genommen wird. Die Drehung erfolgt am Platz. Insbesondere Solisten und Paare nutzen auch sogenannte Raumdrehungen, um sich über die Bühne zu bewegen.
  • Weitere Schritte: Zu den Grundschritten zählen auch Kreuzschritte, Ferse-Spitze-Schritte, Schiebeschritte und Polkaschritte.

Wichtig für einen erfolgreichen Gardetanz ist die Schrittvielfalt, weswegen diese Grundschritte häufig mit Armen kombiniert und in ihrer Grundform abgewandelt werden. In meinem Video Basics für den Gardetanz habe ich dir einige Variationen zusammengestellt.

Grundelemente des Gardetanz – Schwierigkeiten

Neben der Schrittvielfalt wird im Gardetanz auch Wert auf einen gewissen Anteil an Schwierigkeiten gelegt. Wichtig ist hierbei, dass nur solche Schwierigkeiten gezeigt werden sollen, die auch von allen Tänzer*innen beherrscht werden – in manchen Regeln wie zum Beispiel beim BDK müssen gezeigte Schwierigkeiten zudem auf beiden Seiten gekonnt werden.

Grundschwierigkeiten sind:

Tanzmariechen zeigt einen Spagat

  • Spagat: Der Spagat lässt sich als Längsspagat auf der rechten und linken Seite sowie als Herrenspagat (Mittelspagat) ausführen.
  • Beinführung: Hierbei wird ein Fuß nach oben Richtung Kopf gezogen. Die Beinführung kann links und rechts seitlich oder gerade nach oben vor bzw. hinter der Schulter gezeigt werden. Sie wird auch als Standspagat oder Spafeur bezeichnet.
  • Krakowiak: Bei dieser bodennahen Schwierigkeit stütz man beide Hände hinter dem Po auf und stellt die Füße eng am Po ab. Der Po bleibt dabei in der Luft. Abwechselnd wird nun ein Bein in die Luft geworfen. Wichtig ist, dass die Knie dabei eng zusammenbleiben.
  • Russenkreisel: Ebenfalls eine bodennahe Übung. Der bzw. die Tänzer*in geht in die Hocke, die Hände sind vorne aufgesetzte. Ein Bein wird seitlich nach außengestreckt – der Fuß wird in der Luft gehalten. Das Bein wird nun einmal über vorne komplett um den Körper geführt. Dabei verlagert sich das Gewicht einmal kurz auf beide Hände.
  • Rad: Das Rad kann in beiden Richtungen und auch einarmig ausgeführt werden. Zudem lässt es sich gut mit anderen Schwierigkeiten verbinden. Solisten führen das Rad auch gerne frei – also ohne Armaufsatz – aus.

Bei Solist*innen und Paaren werden die Grundschwierigkeiten um akrobatische Elemente wie den Bogengang (vorwärts, rückwärts und frei), Flick Flack und Menichelli ergänzt.

Grundelemente des Gardetanz – Sprünge

Neben den Schritten und Schwierigkeiten gibt es auch eine Reihe von Sprüngen, welche im Gardetanz gezeigt werden. Insbesondere bei Solist*innen und Paaren gehören diese fest zum Gesamtbild des Tanzes.

  • Tanzmariechen zeigt einen SpagatsprungGlockensprung: Hier werden die Füße seitlich rechts oder links zusammengeführt. Die dadurch entstehende Form sieht aus wie eine Glocke – daher der Name des Sprungs.
  • Grätschwinkelsprung: Bei diesem Sprung werden die Beine rasant nach außen, oben gezogen – die Hände kommen Richtung Füße. Der Sprung kann aus dem Stand oder der Hocke ausgeführt werden.
  • Spagatsprung: Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Der Spagatsprung am Platz wird meist aus der Hocke ausgeführt. Der bzw. die Tänzer*in holt aus dieser Schwung, springt in die Luft und führt die Beine auseinander in eine Spagatposition, in welcher anschließend auch gelandet wird. Eine weitere Möglichkeit ist der eingesprungene Spagat, auch Grand Jeté genannt. Hierbei wird mit Lauf- und Wechselschritten Schwung geholt, anschließend der Spagat eingesprungen und der Tanz daraufhin fließend fortgesetzt.
  • Weitere Sprünge: Die Liste Sprünge kann weitreichend ergänzt werden, zum Beispiel mit dem Scherensprung, dem Bielmannsprung oder der Flugrolle.

Differenzierung Marsch und Polka

Zu guter Letzt noch ein kurzer Blick auf die Unterschiede zwischen Marsch und Polka – zwei Ausprägungen des Gardetanzes.

Der Marsch ist ein geradliniger und eleganter Tanz. Wechselnde Positionen und eine synchrone und präzise Choreografie zeichnen ihn aus. Vielfältige Schrittkombinationen und Beinreihen ergänzen die Choreo. Die Musik ist in einem 4/4-Takt.

Die Polka hingegen wird in einem 2/4-Takt gespielt. Dadurch wirkt der gesamte Tanz deutlich schneller. Die Arm- und Beinvariationen sind sehr komplex, akrobatische Elemente wie der Bogengang, Überschläge und Räder ergänzen die Schrittkombinationen.

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Musik im Gardetanz

Die Musik ist die Basis des Gardetanz. Und die Wahl der Musik steht ganz am Anfang. Hierbei muss man insbesondere darauf achten, dass die Musik dem Marsch- bzw. Polkacharakter entspricht und im richtigen Takt gespielt wird.

Tanzt man nicht auf Turnieren, so sind bei der Wahl der Musik keine Grenzen gesetzt. Ob mit oder ohne Gesang ist dabei die persönliche Entscheidung des Trainers oder der Trainerinnen.

Achten sollte man darauf, dass die Musik dem Leistungslevel der Gruppe oder Tänzer*in entspricht. Sie sollte genug Höhen und Tiefen bieten, um zwischen ruhigen Passagen, Marschanteilen und Schwierigkeiten variieren zu können.

Zudem muss die Musik altersgerecht sein. Eine sehr schwere, klassische Musik passt weniger zu Kindern, wohin Gardemusik welche auf Kinderliedern basiert hier eine gute Wahl darstellt.

Du willst mehr zum Thema Gardemusik wissen? Einen ausführlichen Artikel findest du hier.

Gardetanz Kostüm und Uniform

Zum Gardetanz gehört auch das passende Gardekostüm bzw. die Gardeuniform. Diese ist aus der Vergangenheit an Militäruniformen des 18. Jahrhunderts angelehnt. Wichtige Bestandteile sind die Gardestiefel, die Stumpfhose, ein Rüschenhöschen oder Body, der Rock, Jacke oder Weste und Hut.

Der Stil der Gardeuniform unterliegt dabei einem ständigen Wandel. So wurde in den 60er Jahren noch mit langen Absatzstiefeln getanzt – heute nutzt man flexible Stiefel, welche ohne Absatz und ca. knöchelhoch sind.

Gardekostüme im Wandel der Zeit

Aus der schweren Uniform ist nun ein anschmiegsamer und dehnbarer Stoff geworden, welcher den Tänzerinnen und Tänzern deutlich mehr Bewegungsfreiheit bietet und so akrobatische Figuren erst möglich macht.

Kam in den 90ern noch ein dicker Petticoat mit möglichst vielen Lagen unter den Rock so ist dieser mittlerweile zumindest von den Turnierbühnen weitestgehend verschwunden. Schmale Tellerröcke oder plissierte Röcke liegen im Trend.

Und auch bei den Hüten hat sich einiges geändert. Am weitesten verbreitet ist sicherlich der Dreispitz. Doch mittlerweile finden immer mehr Hutformen insbesondere bei den Mariechen und Majoren Anklang. Ob Tschako, Schiffchen oder Musketierhut: Erlaubt ist, was gefällt und zum Kostüm passt.

Kostümrichtlinie je Verband unterschiedlich

Doch auch beim Kostüm für den Gardetanz gibt es deutliche Unterschiede. Im DVG ist der Hut beispielsweise kein Teil des Kostüms. Je nach Disziplin bestehen die Kostüme häufig nur aus einem einteiligen Kleid – ähnlich wie bei einer Eiskunstläuferin.

Hier macht es also Sinn, sich vorab mit den Gegebenheiten und Richtlinien des eigenen Verbandes zu beschäftigen, sofern man auf Turniere geht. Tanzt man ausschließlich im Karneval sind der Ausgestaltung des Gardekostümes keine Grenzen gesetzt.

Häufige Fragen zum Gardetanz

Zum Abschluss dieses umfangreichen Artikels möchte ich dir noch drei Fragen beantworten, welche mir bei meiner Recherche häufig über den Weg gelaufen sind.

Ist Gardetanz Leistungssport?

Fakt ist: Gardetanz ist Sport. Er vereint die Aspekte Kraft und Beweglichkeit in einer tänzerischen Symbiose. Um diese Bewegungen in voller Perfektion auszuführen bedarf es jede Menge Training.

Als Leistungssport kann man den Gardetanz im direkten Sinne nicht bezeichnen, da er nicht als Beruf ausgeübt werden kann wie beispielsweise Fußball, Schwimmen oder Reiten. Da die meisten Tänzerinnen und Tänzer den Sport in ihrer Freizeit und neben Arbeit oder Schule betreiben, werden hier auch keine Trainingszeiten von täglich mehreren Stunden erzielt.

Dennoch ist das Leistungslevel insbesondere der Turnierteilnehmenden Garden und Solisten beeindruckend und hebt sich deutlich von dem ab, was der nischenfremde Beobachter unter Gardetanz versteht.

Ab welchem Alter kann man Gardetanz machen?

Gardetanz ist bereit ab dem Kindesalter möglich. Häufig wird in den Karnevalsvereinen bereits ab vier oder fünf Jahren eine Einstiegsgruppe angeboten, welche die Kinder spielerisch an den Gardetanz heranführt. Die ersten Gardeschritte wie marschieren und Winkelschritte können in diesem Alter bereits erlernt werden.

Hinzu kommt, dass Gardetanz kein Sport ist, mit welchem man bereits als kleines Kind beginnen muss um gut darin zu werden. Auch als Quereinsteiger im Junioren- oder jungen Ü15-Alter kann man hier noch gute Leistungen, insbesondere in der Gruppe erzielen.

Solistinnen und Solisten beenden ihre Karriere häufig mit Mitte 20, während der Tanz in der Gruppe noch bis Anfang, Mitte 30 gut ausgeführt werden kann.

Welche Voraussetzungen gibt es für den Gardetanz?

Ein gutes Gefühl für den eigenen Körper und Taktgefühl sind Voraussetzungen, die man für den Gardetanz mitbringen sollte, sofern man später einsteigt. Im Kindesalter kann dies meist direkt erlernt werden.

Alle weiteren Bereiche wie Kraft, Flexibilität und Dehnbarkeit können durch das regelmäßige Training gut erlernt werden.

Neben den körperlichen Voraussetzungen sollte man bereit sein, einen großen Teil seiner Freizeit für den Sport zu opfern. Trainiert wird das gesamte Jahr, meist mindestens drei Stunden die Woche – vor den Karnevals- oder Turniertagen noch häufiger.

Zeit und den Willen sich sportlich zu Betätigen sind somit die wichtigsten Voraussetzungen für den Gardetanz.

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