20.000 Minuten für den karnevalistischen Tanzsport

Rechtfertigung eines Trainers

Wer sich wie ich häufig in Facebook Gruppen rund um den karnevalistischen Tanzsport oder auf Fanpages von Karnevalsgarden herumtreibt, stößt früher oder später auf ähnliche Beiträge. Ganz häufig berichten Trainer aus ihrem Alltag. Worum es im Tanzsport wirklich geht und wie viel Arbeit und ehrenamtliches Engagement dahinter steckt. Auch auf meinem Blog hatte ich einer Reihe solcher Artikel von der lieben Fabienne, die schon viele Jahre als Trainerin aktiv ist.

Was vielen Artikeln beischwingt ist das unterschätze Ansehen unseres Sports. Aber klar, unsere Zuschauer – ob nun Vereinsmitglieder, Eltern und Freunde oder externe Besucher – sehen am Ende ein oder zwei Tänze von drei bis fünf Minuten Länge. Die Arbeit, welche oftmals dahinter steckt, wird und soll auf der Bühne gar nicht sichtbar werden.

Was steckt hinter fünf Minuten Tanz?

Für den externen Betrachter sollen unsere Tänze leicht und anmutig wirken. So als könnte man selbst dies auch. Und ich denke, genau aus diesem Grund gewähren mittlerweile immer mehr Trainer einen Blick hinter die Kulissen, der zeigen soll: Schaut her, unser Sport ist wie jeder andere auch. Wir investieren Zeit und Engagement und wir möchten, dass dies gewürdigt und wahrgenommen wird.

Doch wie viel Aufwand steckt wirklich dahinter? Auch ich bin schon seit vielen Jahren als Trainerin aktiv. Viele Stunden meiner Freizeit stecken in dem Sport, den ich über alles liebe. In diesem Artikel habe ich es mir mal zur Aufgabe gemacht, alle Aktivitäten, die ein Trainer hinter und vor den Kulissen ausführt, aufzuschreiben und die investierten Minuten, Stunden und Tage auszurechnen.

80 Trainings pro Jahr

Den größten Batzen, nämlich ca. 10 volle Tage pro Jahr, verbringen wir Trainer gemeinsam mit den Tänzerinnen und Tänzern im Training. Das sind bei uns 90 Minuten pro Training, aufs Jahr gesehen insgesamt 80 Mal. Dazu kommen nochmal knapp anderthalb Tage zusätzlich durch Trainingstage. Das ist eine ganze Menge und bei den Turniergarden sicherlich noch deutlich höher.

Die Garde bei Beinschwüngen im Trainingssaal.

Den zweithöchsten Anteil im Trainingsjahr haben die Auftritte. Und da bin ich wirklich froh drum. Stellt euch nur mal vor, wir würden 130 Stunden pro Jahr trainieren und nur zweimal auftreten. Das wäre wirklich schade. Nun besteht so ein Auftritt natürlich nicht nur aus dem Tanz an sich. Auch An- und Abreise, das Schminken, Anziehen und Aufwärmen gehören dazu. Pro Auftritt kommen so schnell mal drei bis vier Stunden zusammen. Insgesamt verbringen wir bei internen und externen Auftritten ca. 3,5 Tage. Wow! Das ist echt ordentlich. Aber fragt mal bei den Top-Garden aus dem Rheinland nach, die in der heißen Phase mehrere Auftritte am Tag haben. Da sieht die Rechnung nochmal ganz anders aus.

Und was noch?

Was noch dazu kommt ist das Thema Kostüme und Requisiten. Vor allem im Schautanz sind diese meist sehr aufwändig und erfordern einige Stunden an Arbeit. 34 Stunden dauert es nach meiner Rechnung, um alle Kostüme und Requisiten zu planen, die Stoffe und Materialien zu kaufen, diese zu verarbeiten und die Anproben und etwaige Korrekturen durchzuführen. Klar, je mehr Helfer man hat, umso schneller geht’s. Ebenso spielt die Anzahl der benötigten Kostüme eine große Rolle. Bei kleinen Garden ist man hier natürlich schneller.

Lisa beim basteln des Kopfschmucks vom letzen Schautanz.

Oft unterschätzt aber wirklich wichtig ist das Thema der Vorbereitung. Nach Aschermittwoch stürzen wir Trainer uns wieder direkt in die Planung der neuen Session. Es gilt Musik auszusuchen und zu schneiden, die Tänze zu planen und sich Schritte und Choreographien zu überlegen. Und diese natürlich auch erstmal selbst einzuüben.  Auch das Organisatorische wie Anwesenheitslisten und Telefonlisten zu erstellen gehört hier dazu. Insgesamt knapp 34 Stunden gehen für die Vorbereitung drauf. Wahnsinn, oder?

Engagement für den Verein

Doch nicht nur das Tanzen direkt, auch die Vereinsarbeit im Allgemeinen gehört für uns Trainer dazu. Der regelmäßige Besuch auf Sitzungen und die Erstellung des Kostenvoranschlages sind ebenfalls wichtige Punkte und bringen uns nochmal 37 Stunden auf der Uhr.

Ebenso wichtig ist das Thema Fortbildung. Während in den Profigruppen häufig Trainer mit C-Lizenz zu finden sind, ist dies zumindest bei uns nicht der Fall. Um diese Lizenz zu erwerben legt der Trainer insgesamt 120 Lerneinheiten á 45 Minuten und zwei Prüfungen ab. Um an solch einer umfassenden Schulung teilnehmen zu können, muss der Verein Mitglied im BkT (Bundesverband karnevalistischer Tanzsport) sein. Die Schulungen finden aktuell nur in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg statt.

Fortbildung fürs Team

Aber selbst, wenn diese große Schulung nicht in Frage kommt, können für die Fortbildung jährlich acht bis sogar 24 Stunden zusammen kommen. Sei es der Besuch von Workshops, zum Erlernen neuer Schritte, oder die Grund- und Aufbauschulung des BdK. Fortbildungen gehören bei jedem guten Trainer dazu.

Was fehlt noch? Na klar, das wichtige Thema Teambuilding. Ob gemeinsame Ausflüge ins Schwimmbad oder den Kletterpark oder Weihnachtsfeiern und Sommerfeste: Das Team auch neben dem Training zu motivieren und zusammenzuschweißen ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe des Trainers. Hier kann man nochmal mit 15 bis 20 Stunden rechnen.

Sommerfest mit Spielen, Picknick und Grillfleisch.

Was fehlt euch?

Wie ihr sehr, kommt so einiges zusammen. Meine Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist je nach Garde sicherlich auch noch zu erweitern. Für uns habe ich in der Summe festgestellt, dass ich ca. einen vollen Monat pro Jahr dem Tanzsport und meiner Garde widme. Unglaublich, oder? Das sind fast 20.000 Minuten jährlich für mein Hobby. Zeit, die ich gerne investiere.

Wie geht es euch mit dieser Aufstellung? Schreibt mir eure Ergänzungen gerne in die Kommentare. Ich freue mich über eure Meinung dazu!

Eure Lisa
keep-dancing

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