Gardemusik

Handy mit Gardemusik und Kopfhörer

Gardemusik ist die Basis für den Gardetanz

Mit der perfekten Gardemusik fängt alles an. Sie legt die Basis, den Grundstock für den Gardetanz. Tanzen ohne Musik? Nicht vorstellbar.

Aus diesem Grund suchen Trainerinnen und Trainer Jahr für Jahr eine neue, außergewöhnliche und am besten noch nie zuvor gehörte Gardemusik. Doch das ist gar nicht so einfach, auch wenn das Angebot an Musik mittlerweile riesig ist.

Die gewählte Gardemusik muss schließlich viele Kriterien erfüllen. Sie muss zur Disziplin, zur Gruppe und zu den Wertungskriterien passen – und im besten Fall natürlich auch noch vom Stil gefallen.

Sie ist also ein wichtiger Bestandteil des Marschtanz. Deswegen widmet sich dieser Artikel ganz dem Bereich Gardemusik. Wie ist sie entstanden, welche Stile gibt es, was muss bei der Auswahl beachtet werden und wo gibt es eigentlich Musik für den Gardetanz?

Gardemusik – Was ist das eigentlich?

Laut Wikipedia ist der heutige Gardetanz auf das Revutheater in den 1920er und 1930er Jahren zurückzuführen. Genau so lange gibt es also bereits die Gardemusik – auch wenn diese sich im laufe der Jahre sicherlich verändert hat.

Wenn wir heute von Gardetanz sprechen, reden wir über Gruppen, welche in der Regel zu einem 4/4-Takt tanzen. Die Musikrichtung ist dabei zum großen Teil Marschmusik. Etwas weniger verbreitet ist die Stilrichtung Polka, welche einen 2/4-Takt aufweist und insbesondere im Verband DVG vorkommt.

Die Musik klingt dabei in Teilen noch nach einem militärischen Marsch. Klar, denn dies ist die Basis. Mittlerweile hat sich die Marschmusik jedoch deutlich erweitert und unterliegt modernen, aber auch klassischen Einflüssen.

Was zeichnet Musik für den Gardetanz aus?

Für eine richtige Gardemusik braucht es viele unterschiedliche Instrumente.Eines der markantesten Merkmale ist sicherlich, dass die Musik in den meisten Fällen keinen Gesang aufweist. Der Rhythmus der Musik ist mitreißend und fließend – er soll Freude machen, sowohl bei Zuschauern als auch Tänzern.

Auch wenn es mittlerweile viele moderne Interpretation von Gardemusik gibt, so ist es wichtig, dass diese weiterhin einen marsch- oder polka-ähnlichen Charakter aufweist. Auch Höhen und Tiefen sowie Abwechslungsreichtum in der Musik sind wichtige Merkmale in der Musik.

Bei den Instrumenten hört man viele Trompeten, Becken und Pauken, Trommeln und Pfeifen. Doch auch Geige und Klavier sind vor allem in klassischen Stücken Bestandteil. Auf den beliebten Konfetti-Dancing-CD kommen laut eigener Aussage rund 40 Instrumente zusammen, um der Gardemusik ihren einzigartigen Charakter zu verleihen.

Verschiedene Stile der Gardemusik im Überblick

Im großen Angebot der Gardemusiken finden sich viele verschiedene Stile. Die folgende Beschreibung der Stile ist meine persönliche Benennung – die Wahrnehmung von Musik ist in meinen Augen leicht subjektiv, für jeden Hörer also etwas unterschiedlich.

Traditioneller Marsch

Traditionelle Marschtanzmusik ist die Ur-Form der Gardemusik. Sie klingt sehr militärisch mit vielen Trommeln und Blasinstrumenten. Beispiele für Deutsche Märsche sind der Deutschmeister Regimentsmarsch, der Defiliermarsch oder der Radetzky-Marsch.

Auch amerikanische Märsche (Sousa-Märsche) lassen sich hier einsortieren. Bekannte Beispiele sind hier The Stars and Stripes forever, The Washington Post oder Liberty Bell March.

Diese traditionelle Musik ist bei vielen Garden weiterhin beliebt – auch auf Turnieren hört man sie weiterhin. Häufig spiegelt sich die traditionelle Musik dann auch in traditionellen Uniformen wider. Husarenmützen, Schärpen und dekorative Abzeichen an den Uniformen runden das Gesamtbild ab.

Traditionelle Gardemusik passt vor allem zu Gruppen, für Solisten ist sie zu tief und schwer, hier muss leichtere Musik her.

Klassische Gardemusik

Von Beethoven bis Bach, von Mendelssohn bis Mozart: Klassische Gardemusik definiert sich mehr durch Streicher als durch Blasinstrumente – auch wenn diese hier natürlich ebenfalls stattfinden.

Leise und leichte Töne unterstreichen den Charakter der klassischen Musik für den Gardetanz und verleihen den Tänzerinnen und Tänzern Eleganz und Grazie.

Das beliebteste Beispiel für klassische, tanzbare Musik sind die Alben des Royal Philarmonic Orchestra. Ob Hooked on a Can Can, Hooked On Mendelssohn oder Songs of Joy – diese Klassiker eignen sich hervorragend für den karnevalistischen Tanzsport.

Doch es gibt noch viele weitere Interpreten und Lieder, die im klassischen Bereich für den Gardetanz genutzt werden können. Unter anderem Die Zauberflöte – Der Vogelfänger von Adya, Capriccio Russo (Remasterizado) von Luis Cobos und Auf der Jagd, Polka schnell, Op. 373, welches von unterschiedlichen Interpreten eingespielt wurde.

In den vergangenen Jahren hat die klassische Variante der Gardemusik auch mehr und mehr Einzug bei Garden und Solisten, welche keine Turniere besuchen, gehalten.

Moderne Gardemusik

Ob Pop-Songs, bekannte Musical-Hits oder Kinderlieder – an der modernen Gardemusik kommt heutzutage keine Garde mehr vorbei. Anders als alte Klassiker oder Militärmärsche sind die Möglichkeiten hier unbegrenzt.

Jedes Jahr kommen neue Lieder und Hits aus Pop, Rock und Schlager dazu. Die Alben und Einzeltitel erhält man direkt an der Basis, bei auf den Tanzsport spezialisierten Anbietern wie Dance-Fit oder Triple Dat.

Hervorzuheben sind hier die Serien Konfetti-Dancing und (New) Dance X-Press, welche stetig weiterentwickelt werden. Hörproben lassen sich auf beiden Webseiten finden.

Vor allem bei Kindern und Teenagern kommen diese Lieder gut an, da sie ihnen aus Radio, Filmen und Serien bekannt sind. Da diese Musiken speziell für den Gardetanz produziert werden ist ein eigener Schnitt oder ein Anpassen der Geschwindigkeit häufig nicht notwendig.

Rheinische Gardemusik

Wer in Köln und Umgebung nach Gardemusik sucht, wird auf ganz neue Töne treffen. Die Größen im rheinischen Gardetanz glänzen vor allem mit starken Gruppen und spektakulären Hebefiguren. Auch sind die Tänze mit 15 bis 20 Minuten deutlich länger, als der Gardetanz, den man von den Turnier-Bühnen kennt.

Der Fokus: Party machen und Frohsinn verbreiten gepaart mit sportlicher Höchstleistung. Dazu bedienen sich diese Garden häufig Musik, welche von kölnischen Bands produziert wurde und manchmal auch Gesang enthält.

Ob Leev Marie von Paveier, Nie mehr Fastelovend von Querbeat oder der Klassiker Wenn nicht jetzt, wann dann von den Höhnern.

Wer noch nie solch einen Auftritt gesehen hat, sollte das auf jeden Fall in Zukunft mal machen. Es lohnt sich!

Polka

Die Polka-Musik stammt von der slawischen, slowenischen und bayrischen Volksmusik ab. Im karnevalistischen Tanzsport ist sie vor allem im DVG zu finden. Die Tänze sind geprägt von einer hohen Geschwindigkeit, die einfach mitreißt.

Auch im Polka gibt es Klassiker wie den Jockey-Polka von Johann Strauss aber auch moderne Interpretationen wie Wake me up von 2Cellos.

Gardemusik für Turniere

Auch die Gardemusik wird bei einem Gardetanz-Turnier bewertet.Nicht jede Gardemusik die gefällt, eignet sich auch für die Turnierteilnahme. Garden, die also regelmäßig Turniere besuchen sollten sich mit den Regularien vertraut machen.

Beim BdK (Bund deutscher Karneval) gilt beispielsweise, dass die Musik zum Charakter der Disziplin (Mariechen, Tanzpaar, Garde) passen muss.

Auch wenn es recht einfach klingt, selbst bei marschierfähiger Musik ist dies nicht immer gegeben. Wird sie von den Juroren als nicht passend eingestuft, so führt dies zu einem Punktabzug. Besser also, sich hier auf bewährte Musiken zu verlassen und keine Experimente zu wagen.

Weitere Kriterien:

  • Die Gardemusik muss vertanzbar sein
  • Die Geschwindigkeit muss dem Leistungsvermögen der Aktiven angepasst sein
  • Werden mehrere Musikteile zusammengeschnitten, so müssen sie artverwandt sein und mit- einander harmonieren.
  • Die Schnitte müssen korrekt durchgeführt sein, das heißt das der Takt nicht unterbrochen werden darf
  • Inklusive Einmarsch darf die Musik maximal 5 Minuten dauern – bei Garden liegt der Durschnitt bei 3:30 Minuten, Solisten etwa 2:30 Minuten

Regelwerk im RKK und DVG

Auch im RKK (Rheinische Karnevals Kooperation) ist die Länge auf zwei bis maximal fünf Minuten festgesetzt. Die Musik muss außerdem zur Thematik des Tanzes passen. Der Schnitt ist ebenfalls ein Bewertungskriterium.

So müssen die einzelnen Musikteile zu den jeweiligen Passagen und Handlungen im Tanz passen, diese also unterstreichen bzw. verdeutlichen. Auch die Qualität spielt eine große Rolle. Die Musik muss klar sein, darf nicht rauschen. Außerdem muss die Lautstärke angepasst sein, sodass die Musik nicht übersteuert.

Beim DVG wird die Umsetzung der Musik mit 5 Punkten bewertet. Hier geht es ebenfalls um die Auswahl, zudem wird die Einhaltung des Taktes und die Berücksichtigung und Umsetzung von Höhen und Tiefen in der Musik bewertet.

Die Geschwindigkeit spielt ebenfalls eine Rolle – je schneller desto anspruchsvoller.

Darauf musst du bei der Auswahl deiner Gardemusik achten

Je nach Musik hört man den Takt einfacher oder schwerer.Auch wenn du mit deiner Garde keine Turniere besuchst macht es Sinn, einige Dinge bei der Suche nach deiner neuen Gardemusik zu beachten.

Ob deine Musik den Marschcharakter bei Auftritten komplett erfüllt, ist für Nicht-Turniergarden sicherlich zweitrangig. Deine Musik sollte aber unbedingt vertanzbar sein. Also keine Passagen ohne richtigen Takt oder Pausen aufweisen. Außerdem solltest du die Geschwindigkeit der einzelnen Teile angleichen, sodass ein flüssiges Durchtanzen möglich ist.

Die Geschwindigkeit spielt grundsätzlich eine große Rolle. Ist die Musik zu langsam wirkt der Tanz schwerfällig und die Tänzerinnen und Tänzer haben es schwerer, den Takt zu halten. Dasselbe gilt bei zu schneller Musik, hier können Schritte nicht korrekt ausgetanzt werden.

Versuch also das richtige Niveau für dein Garde zu finden. Geschwindigkeiten zwischen 144 und 148 BPM haben sich als gut Tanzbar erwiesen.

Alles dreht sich um den Takt

Wenn du deine Musik selbst schneidest musst du darauf achten, dass die Schnitte korrekt sind und sich der Takt ununterbrochen durchzählen und dementsprechend auch durchtanzen lässt. Außerdem müssen die einzelnen Stücke artverwand sein. Setzt du also beim ersten Lied auf eine Geige als führendes Instrument, so sollte sich dies auch in den Folgeteilen widerspiegeln.

Für Jugendgarden gilt zusätzlich, dass der Takt gut hörbar sein sollte. So machst du es deinen Schützlingen deutlich leichter, die Schritte synchron und passend zur Musik auszuführen.

Gardemusik – Wo du sie findest

Auch wenn das Angebot riesig ist, steht man am Anfang der Saison doch immer an dem Punkt das man nicht weiß, wo genau man nach neuer Musik suchen soll.

Eine der wichtigsten Anlaufstellen heutzutage ist die Video-Plattform YouTube. Hier können sich Trainerinnen und Trainer von Tänzen anderer Garden und Solisten inspirieren lassen. Wird die gehörte Musik als passend empfunden so können Facebook-Gruppen wie die Gruppe „Gardetanzmusik und was sonst noch zu unserem Sport gehört“ beim Finden des gehörten Musikstückes helfen.

Sucht man nach bestimmten Liedern so kann auch Spotify helfen. Hier haben sich in den letzten Jahren viele Playlisten rund um die richtige Gardemusik gebildet. Schau doch auch mal bei meinen Playlisten vorbei (um diese zu sehen musst du dich einloggen): https://open.spotify.com/user/ce0lsbprtavvxx0q7x4v4mvmk

Spotify Playlisten mit Gardemusik

Für fix und fertige Gardemusik sind die bekannten Anlaufstellen bei Dance-Fit und Triple-Dat eine sehr gute Möglichkeit. Ob Traditionell, Kölsch, für Kinder oder Klassik: Hier findet sich für jeden Geschmack die passende Musik.

Gardemusik selbst schneiden

Möchtest du deine Musik selbst schneiden, so musst du einige Dinge beachten. Eine gleichmäßige Geschwindigkeit, harmonische Musikstücke und ein durchgehender Takt sind die Basics.

Ich empfehle dir auch, nicht zu viele Schnitte zu setzen. Das macht die Musik unruhig und lenkt vom Tanz ab. Achte außerdem darauf, dass in den einzelnen Musikabschnitten Abwechslung herrscht und ausreichend Höhen und Tiefen vorhanden sind.

Lass dir für deinen Schnitt ausreichend Zeit und sei anspruchsvoll! Am Ende muss die Musik dich und deine Garde überzeugen. Nutze zum Schneiden gute Kopfhörer, um auch kleine Differenzen in der Musik erkennen und korrigieren zu können.

Als Programm zum Schneiden kann ich dir das kostenlose Audacity empfehlen. Ich schneide mit diesem bereits seit über zehn Jahren die Musik für unsere Garden. Wie genau das geht zeige ich dir in den folgenden Videos:

Gardemusik visualisieren

Ist deine Musik erstellt so kannst du diese durch das sogenannte Auszählen bzw. Visualisieren für die Choreographie-Arbeit vorbereiten.

Beim Auszählen machst du die Zählzeiten sichtbar. So lassen sich Höhepunkte und geeignete Stellen für Schwierigkeiten erkennen. Außerdem siehst du, wo ein Tanzabschnitt gut passt und wie ein Positionswechsel angebracht ist.

Mehr dazu erfährt du in meinem Video:

Visualisiere deine Musik wie ein Profi

Musikideen sammeln, Musikschnitte planen und Musik auszählen im Trainingsplaner

Trainingplaner von keep-dancing zum Visualisieren von Gardemusik

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