Diese 2 Fehler solltest du bei deiner Gardemusik vermeiden

Plus: Expertentipps, wie die Gardemusik perfekt zu deiner Gruppe passt

Diese 2 Fehler solltest du bei deiner Gardemusik vermeiden

Auf der Suche nach einer besonderen Musik

Wenn du an eine Musik für deinen neuen Gardetanz denkst – worauf kommt es dir dann an? Natürlich sollte dir die Musik gefallen und gut tanzbar sein. Bestenfalls noch so außergewöhnlich und einzigartig, dass keine andere diese auf die Bühne bringt.

Klingt gut? Damit bist du nicht allein. Diese Gedanken bezüglich der Gardemusik hegen viele Trainerinnen und Trainer im karnevalistischen Tanzsport.

Und deswegen geht sie Jahr um Jahr wieder von vorne los, die Suche nach einer besonderen Musik. Dabei gibt es einige Dinge zu beachten, damit die Gardemusik am Ende wirklich perfekt zu dir und deiner Gruppe passt.

Tipps vom Musik-Experten

Im Frühjahr 2021 habe ich zu diesem spannenden Thema einen Live-Talk mit dem Inhaber der Firma Dance-Fit, Dirk Stein, geführt.

Als Urgestein im Gardetanzbereich ist Dirk ein wahrer Experte in Sachen Gardemusik. So hat er die beliebte Konfetti-Dancing-Albumreihe ins Leben gerufen, welche sich viele Jahre lang höchster Beliebtheit bei Garden und Solist*innen erfreut hat.

Im heutigen Artikel habe ich dir die wichtigsten Infos aus dem interessanten Talk herausgeschrieben – damit du nicht dieselben Fehler bei der Musikauswahl machst, wie viele Trainer*innen vor dir.

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Auftritt oder Turnier? Diese Frage steht am Anfang

Die Suche nach der perfekten Gardemusik gleicht der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Denn Gardemusik gibt es mittlerweile wirklich wie Sand am Meer.

Bevor du deine Suche startest solltest du dir einige Gedanken machen, welche dir letztendlich helfen werden, schneller zum Ziel zu kommen.

Ganz zu Beginn steht die Frage nach dem Verwendungszweck: Liegt dein Fokus aus dem Besuch von Turnieren oder dem Tanzen an Auftritten?

Tatsächlich gibt es in beiden Bereichen unterschiedliche Anforderungen an die Gardemusik. Schauen wir uns das einmal genauer an.

Die Musik muss dem Publikum schmecken

PublikumSucht man eine Gardemusik mit dem Fokus auf Auftritten so ist das Ziel, das Publikum zu unterhalten. Das ist der einzige Zweck der Musik bzw. des Tanzes.

Stellt man sich nun ein klassisches Karnevalspublikum vor so ist uns allen schnell klar: Ein Großteil im Publikum kann sich nicht so für die Finessen des Gardetanzsports begeistern, wie wir. Viele sind da zum Feiern und um eine gute Zeit zu haben.

Doch was bedeutet das für die Musik? Über die Musik haben wir hier ein Mittel auch die Zuschauer einzufangen, welche für Tanz gar nichts übrighaben. Wählen wir eine gute, bekannte und klatschbare Musik – so ziehen wir einen größeren Teil des Publikums mit der Show auf unsere Seite.

Und können so den ganzen Saal unterhalten – was letztendlich die Aufgabe des Tanzes ist. Dazu eignet sich eine klassische oder traditionelle Musik in der Regel weniger als eine moderne und poppige – ggf. sogar mit Text zum Mitsingen.

Wählst du die Musik also mit Fokus auf den Auftritt aus, so weißt du nun, was du beachten solltest.

Turniere sind ein anderer Zweck

PokalUnd sicher ist dir nun auch schon klar: Bei Turnieren kommt es auf andere Dinge an. Ganz vorne stehen die Turnierrichtlinien. Denn das Ziel ist klar: Eine hohe Wertung und gute Platzierung ertanzen.

Hier gilt: Halte dich an die Richtlinien und Vorschriften und versuche nicht, dich mit der Musik irgendwie dran vorbei zu schummeln.

Auf einem Turnier sollte die Musik nicht zu poppig sein. Auch die Juroren haben einen Musikgeschmack und du willst es dir nicht schwerer machen, nur weil du diesen nicht ganz triffst. Und wenn der Juror die Musik so gar nicht mag, wird er es schwer haben, sich im Zweifelsfall für ein Pünktchen mehr zu entscheiden. Und damit ist die Musik dann nicht geeignet.

Beachte das Leistungslevel

Stell dir vor du bist auf der Deutschen Meisterschaft. Du hörst eine tolle Musik mit einem fantastischen Tanz nach der anderen und entscheidest: Die Musik der Deutschen Meister, da werden wir in der nächsten Saison drauf tanzen. Schließlich sind die damit Meister geworden – dann kann unser Tanz ja nur gut werden.

Diese Herangehensweise ist leider falsch. Denn sie beachtet einen wichtigen Punkt nicht: Das Leistungslevel deiner eigenen Gruppe.

Nur die wenigsten Garden in Deutschland schaffen es, auf Meisterniveau zu tanzen – das ist Fakt. Das Stichwort lautet hier: Charakteristik.

Zu groß, zu klein, zu schwer: Der Charakter ist entscheidend

OrchesterWas ist der Charakter einer Musik? In den Charakter fließen mehrere Dinge mit ein. Zum einen das Arrangement, also wie die Musik gespielt wird.

Sitzt dort ein riesiges Orchester, welches die Musik treibt oder ist sie eher leiser, leichter mit wenigen Instrumenten im Fokus? Ist sie klassische, traditionell oder doch modern?

Eine große, mächtige und schwere Musik passt eher nicht zu einer Juniorengarde – während sich eine leichte, leise und verspielte Musik perfekt für ein Jugendmariechen eignen kann. Und das Spongebob-Medley so gar nicht zu der Ü15-Gruppe passt.

Machen wir es noch etwas konkreter: In den 90er Jahren war die Musik von Luis Cobos sehr beliebt. Dahinter streckt ein riesiges Orchester, die Musik ist spektakulär, massig und klingt sehr reif.

Ein Jugendmariechen geht bei solch einer Musik unter – hier braucht es eine gestandene und große Garde, welche mit ihrer Spannung und dem Schwierigkeitsgrad der Schritte und Figuren die Musik auch ausfüllen kann.

Passt die Musik zu Solist*innen oder Garden?

Man hört in der Charakteristik einer Musik, ob sie eher für ein Solo, also Mariechen und Majore oder Paare geeignet ist oder für Gruppen. Schnapp dir dazu mal eine Musik aus meiner Playliste und schließe die Augen. Blende deinen persönlichen Geschmack aus und höre ausschließlich auf die Charakteristik der Musik.

Versuche den Spannungsbogen und die Dynamik zu erkennen und frage dich ehrlich: Passt das zu uns?

Dazu musst du die Leistungsfähigkeit deines Solisten bzw. deiner Gruppe ehrlich bewerten – ebenso wie deine Leistungsfähigkeit als Trainer*in, welche die Choreografie erstellt. Schaffst du es, die Musik so mit Schritten, Schwierigkeiten und Bildern auszufüllen, wie sie es verlangt?

Denn am Ende muss alles zusammenpassen: Die Musik zu den Aktiven, die Choreografie zur Musik, der Tanz zum Publikum. Und das alles beginnt bei der Auswahl der passenden Musik.

Das perfekte Tempo

Auch nicht zu vernachlässigen ist das Tempo der Musik. Ist sie zu schnell, kommen die Tänzer*innen nicht hinterher und die Schritte werden unsauber ausgeführt. Ist sie zu langsam, kann dies jedoch ebenfalls passieren – und der Tanz verliert seine Spritzigkeit.

148 BPM haben sich als sehr gut für den Gardetanz ergeben. Hier ist der Tanz schnell genug, sodass eine gute Dynamik herrscht. Und mit einer guten Spannung können die Tänzer*innen alle Schritte noch sauber ausführen.

Allerdings sind die 148 BPM nur ein Richtwert – probiere am besten selbst aus, ob damit deine Gruppe klar kommt oder ob es ein paar Schläge mehr oder weniger pro Minute sein müssen.

Die zwei Fehler solltest du vermeiden

Frau zeigt mit Armen ein X

Nun hast du schon viele Tipps erhalten, worauf es bei deiner Gardemusik ankommt. Zum Schluss möchte ich dir noch meine zwei wichtigsten Learnings aus dem Gespräch mit Dirk mitgeben, welche auch mir die Augen geöffnet haben.

Fehler 1: Der Trainergeschmack

So hart es klingt: Dein Geschmack als Trainer*in ist nicht wichtig. Das ist tatsächlich mit der häufigste Fehler, den Trainer*innen machen. Sie hören eine Musik, finden diese persönlich toll und nehmen sie für die Gruppe.

Klar, du weißt nun bereits dass du den Charakter und das Leistungslevel deiner Gruppe beachten muss – ebenso wie den Zweck, also ob sie für einen Auftritt oder ein Turnier genutzt werden soll.

Aber ein wichtiger Punkt fehlt noch: Derjenige, der auf der Bühne steht, muss sich ebenfalls mit der Musik identifizieren können. Denn ansonsten ist er nicht in der Lage, diese optimal zu vertanzen.

Wenn deine Tänzer*innen eine Musik von Anfang an gut finden, dann ist die Ausstrahlung mit welcher sie diese vertanzen eine ganz andere. Und das spart dir als Trainer*in am Ende jede Menge Arbeit.

Beziehe deine Tänzer*innen also unbedingt in die finale Auswahl der Musik mit ein.

Fehler 2: Unpassender Musikschnitt

Auf der Suche nach immer außergewöhnlicherer Musik greifen viele Trainer*innen oft selbst zum Schnittprogramm. An sich kein Problem: Auch ich schneide seit Jahren meine Musik selbst.

Doch hierbei gibt es ebenfalls jede Menge zu beachten. Auch mir ist es einmal passiert: Mir haben einige Songs so gut gefallen, dass sich jeweils die Höhepunkte der Lieder zusammengefügt habe. Das Ergebnis: Super langweilig. Weil ein Höhepunkt nach dem anderen im Ergebnis zu keinem Höhepunkt mehr führt.

Die Musik lebt vom Spannungsbogen. Da gehören Höhepunkte wie ruhigere Abschnitte ebenso dazu. Außerdem müssen bei einem eigenen Schnitt die einzelnen Lieder harmonieren – in Stil und Charakter. So kann man ein Lied mit einem 100-Personen-Orchester nicht mit einem Lied mit nur 10-Musikern verbinden. Das passt nicht.

Auch die Übergänge zwischen den einzelnen Stücken müssen harmonieren und natürlich zählbar sein. Sonst macht man es Tänzer*innen wie Zuschauern nur unnötig schwierig.

Tanz und Musik in perfekter Harmonie

Jetzt weißt du, worauf es bei der Auswahl deiner nächsten Gardemusik ankommt. Sofern du den Zweck, den Charakter und das Leistungslevel beachtest, steht deiner passenden Musik nichts mehr im Wege.

Ich wünsche dir bei der Suche nach deiner Musik viel Erfolg.

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