Was Ehrenamt im karnevalistischen Tanzsport bedeutet – Teil 2

Gastbeitrag

Von kleinen und großen Katastrophen

Mittlerweile ist Oktober und wir fahren dieses Wochenende ins Trainingslager. Da wir nicht nur hart trainieren, sondern auch jede Menge Spaß im Team haben wollen, beschäftige ich mich gerade damit Teambuildingspiele rauszusuchen, als das Telefon klingelt. Am Apparat habe ich eine junge Dame von einem Stoffladen, bei dem ich die letzten Zutaten für die Schautanzkostüme bestellt habe. Lieferschwierigkeiten. Na toll. Das habe ich jetzt gerade noch gebraucht.

Kurzerhand disponiere ich um. In der Freizeit vom Trainingslager werden wir uns nun mit den Röcken für den Rathaussturm beschäftigen. Ich kaufe die Stoffe dafür in Würzburg ein und bin froh, dass ich noch das beste aus der unglücklichen Situation machen konnte. Mitte Oktober und die Schautanzkostüme sind noch nicht angefangen… das wird stressig. Zumindest konnte ich bereits Schuhe, Strumpfhosen und Schminke bestellen, dann können wir im Trainingslager auch Probeschminken.

Unsere Gastautorin

Fabienne Ank

Faschingsclub Thüngersheim e. V

Taenzerin und Trainerin Fabienne Ank

Fabienne tanzt seit über 15 Jahren aktiv im Fastnacht Verband Franken (BdK). Ob Garde, Schautanz oder als Tanzmariechen, Fabienne kennt die Bühne ganz genau.

Von 2012 bis 2016 war sie Trainerin der Jugendgarde im Schautanz. Es folgten weitere Trainer- und Betreuerjobs für Tanzpaare, Ü15 Mixtanz und Ü15 Garde und Schautanz. Sie ist noch heute als Trainer im Verein aktiv.

Trainingslager mit Muskelkatergarantie

Es ist Freitag Mittag. Abfahrt zum Trainingslager. Drei Tage Tanzen, Team und Anstrengungen. Aber ich weiß, es wird sich lohnen. Voll motiviert starten wir, nach dem Einzug in die Jugendherberge, in die erste Trainingseinheit. Wir kommen gut voran und so haben wir uns am späten Abend Gummibärchen und Werwolf spielen verdient.

Wir schaffen während des Trainingslagers alles, was wir uns vorgenommen haben. Schminken, Kostüme und ganz wichtig… die Tänze sind alle drei endlich fertig. Von Muskelkater geplagt fahren wir am Sonntag nachmittag nach Hause und fallen zufrieden ins Bett.

Stimmungsschwankungen gekonnt entgegentreten

Zwei Wochen später erreicht mich eine Nachricht, die ich eigentlich am liebsten gar nicht sehen würde. Eine Tänzerin fällt die ganze Session aus. Ich muss umstellen. Sowohl für mich, als auch für die Mädels eine ungünstige Situation. Die Stimmung ist dementsprechend nicht so berauschend und ich muss mir etwas einfallen lassen, um sie wieder zu heben. Wenn ich in den letzten fünf Jahren als Trainerin eines gelernt habe, dann die Stimmung in der Gruppe zu spüren. Momentan Eiszeit. Und das vor der heißen Phase. Kurzerhand beschließen wir ein kleines Völkerballturnier zu starten. Puh, das war anscheinend genau das richtige. Die Gruppe hat das gebraucht.

Multitasking im Trainerjob

Es ist Dienstag. In meiner Mittagspause arbeite ich am Schnitt für das Kostüm meines Tanzpaars. Da ich eine Ausbildung zur Schneiderin mache, ist das kein großes Problem. Im Voraus habe ich mich über alte Uniformen, deren Schnitte, Materialien und Verzierungen informiert und möchte das ganze jetzt modern umsetzen. Eine Kollegin schaut mir interessiert zu und fragt mich, für was ich diesen winzigen Schnitt mache. Ich erkläre ihr, dass ich ein kleines Tanzpaar trainiere und für dieses das Kostüm nähen möchte. Ihre Reaktion überrascht mich mittlerweile nicht mehr. „Ach, bist du auch eine von diesen Hupfdohlen an Fasching?“ Ich wende mich ab, atme einmal kurz durch und erkläre auch ihr, dass es ein Turniersport ist, wahnsinnig viel Zeit und Hingabe dahinter stecken und so weiter und so fort. Am Ende meines Vortrages entschuldigt sie sich, sie habe nicht gewusst wie viel Arbeit das wäre und dass ich so viel Herzblut da rein stecke. Wieder eine bekehrt.

Im Zug stelle ich eine kleine Kalkulation auf, was die Kostüme in etwa kosten werden und bereite mein nächstes Training vor. Als ich zu Hause ankomme sehe ich ein riesiges Paket im Gang stehen und ich begreife, der Stoff ist angekommen. Ich mache drei Kreuzzeichen und beginne das Paket zu öffnen. Beim Auspacken die nächste schlechte Nachricht. Ein wichtiger Stoff fehlt. Also rufe ich wieder an und habe die junge Dame vom letzten Mal am Telefon. Da sei ihnen aber ein blöder Fehler unterlaufen, sie schicken den Stoff so schnell wie möglich zu.

Es ist Samstag. Nach vier Stunden Training, mache ich es mir im Keller bequem und beginne mit zuschneiden, nähen, einfärben, glitzern. Am Ende des Tages habe ich viel geschafft und bin einigermaßen beruhigt.

Fortsetzung folgt…

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