Bist du zu alt zum Tanzen?

Warum ich mit 30 Jahren eine bessere Tänzerin bin

Bist du zu alt zum Tanzen?

Tanzen kennt kein Alter

Mit fünf Jahren in der Kindergarde begonnen, mit 15 Jahren in der Ü15-Garde angekommen, mit 25 Jahren die Tanzkarriere beendet.

Viele von uns Gardetänzerinnen und -tänzer kennen diesen klassischen Werdegang. Irgendwann in unseren 20ern heißt es ein letztes Mal: Spannung, Kopf hoch, Lächeln und Alles geben.

Doch warum beenden so viel Tänzerinnen und Tänzer so vermeintlich früh ihre Tanzkarriere? Und ist man mit 30 Jahren wirklich zu alt für die Garde? Dieser Frage gehe ich heute auf den Grund.

Schule, Studium, Beruf

Im Alter von 20 bis 30 Jahren ändert sich unser Leben rasant. Sind wir vorher Jahr für Jahr regelmäßig zur Schule gegangen, so stehen auf einmal große Veränderungen an – allen voran die Entscheidung: Was will ich in meinem Leben machen?

Einige entschließen sich, direkt nach der Schule auf eine große Reise zu gehen. Ob als Work-and-Travel nach Australien oder als Au-Pair in die Vereinigten Staaten: Gardetraining ist so nicht möglich. Und auch wenn man nach einem Jahr zurückkehrt, so ist man nicht mehr die Person, die man vorher war.

Passt das Training nun noch zu mir? Komme ich mit den anderen Tänzer*innen noch klar? Für viele führt nach solch einer Auszeit kein Weg zurück.

Und auch das Studium oder die Ausbildung verschlagen viele von uns in andere Städte. Da bleibt nur der Ausstieg aus der Garde.

Wie groß darf der Altersunterschied sein?

Doch auch wer in der Region bleibt und mit 25 Jahren noch in der Garde tanzt, wird irgendwann an den Punkt kommen wo er oder sie denkt „Wow, die sind alle viel jünger als ich – vielleicht sollte ich langsam mal aufhören“.

Und das ist nicht erst bei einem Altersunterschied von zehn Jahren so. Ich kenne selbst 18-Jährige die aufgehört haben zu tanzen, weil ihnen die Neu-Aufsteiger mit 15 Jahren zu jung waren. Eigentlich ein verrückter Gedanke, sind es doch nur drei Jahre Unterschied.

Doch vor allem in diesem Alter kommen einem die drei Jahre wie Welten vor. Mit 18 ist man volljährig, erwachsen, darf Autofahren und Alkohol trinken – mit 15 sieht die Welt noch ganz anders aus.

Legen wir einmal zehn Jahre drauf, so ist der Altersunterschied von 25 zu 28 plötzlich nur noch marginal, denn der Lebensalltag ist ab dieser Zeit doch sehr ähnlich.

Der Einfluss des Alters auf das Tanzen

Doch was hat das alles nun mit dem Tanzen zu tun? Ich vertrete die These, dass es kein „zu alt“ fürs Tanzen gibt. Wenn du dich

  • gesund fühlst,
  • keine körperlichen Beschwerden hast,
  • deine Zeit und dein Leben es zulässt,
  • du gerne auf der Bühne stehst,
  • dich gerne aktiv bewegst,

warum solltest du dann nicht auch mit über 30 Jahren noch weitertanzen? Am Ende ist es eine individuelle und persönliche Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss.

Dabei ist es wichtig, nicht auf andere und vermeintliche Regeln zu achten. Und dir auch keinen Kopf zu machen, was die anderen Tänzer*innen über dich denken. Es ist deine Entscheidung und wenn du das Tanzen liebst und dich in der Gruppe und auf der Bühne wohlfühlst, ist es der richtige Ort für dich.

Warum ich mit 30 Jahren besser tanze als mit 25

Nun zu meiner persönlichen Geschichte. Mit 25 Jahren habe ich meine Tanzschuhe an den Nagel gehängt. Davor habe ich viele Jahre als Mariechen und in der Garde getanzt.

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Doch auch bei mir kam der Punkt, an dem ich dachte „jetzt bin ich zu alt“. Es war nicht so, dass ich keine Lust mehr auf das Tanzen hatte oder körperlich nicht mitgekommen bin – es war tatsächlich nur der Gedanke, dass die anderen ja viel jünger sind und alle anderen aus meiner Altersgruppe auch schon aufgehört haben. Quasi eine Art Gruppenzwang.

Im Rückspiegel betrachtet allerdings eine gute Entscheidung. In den folgenden Jahren habe ich durch die höhere Freizeit das Functional Training – also Training mit dem eigenen Körpergewicht – für mich entdeckt. Und damit ordentlich Muskeln aufgebaut.

Starkes Comeback

Mit 28 Jahren hat es mich dann doch nochmal zurück in die Ü15-Garde im Schautanz gezogen. Der Grund dafür war eigentlich banal: Ich wohne quasi direkt neben unserer Trainingshalle und konnte so Woche für Woche die schöne Schautanzmusik der Garde auf meiner Terrasse hören.

Eines Abends – meine Junioren trainiere ich immer vor der Ü15 Gruppe – bin ich noch einen Moment bei der Trainingshalle geblieben und habe mich mit einer der Ü15-Trainerinen unterhalten. In unserem Gespräch viel bei mir der Satz: „Eure Musik ist so schön, da würde ich am liebsten mittanzen“.

Ihre Antwort: „Ja klar, warum denn nicht?“

Ja – Warum denn nicht? Diese Antwort ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Und so kam ich ins Grübeln. Warum eigentlich nicht mit Ende zwanzig zurück in die Garde? Bin ich zu alt? Was sollen die anderen denken? Aber eigentlich habe ich richtig Lust drauf…

Nach einer Woche stand meine Entscheidung fest, den mein Bauch und mein Herz waren sich einig: Das probiere ich nochmal. Ganz egal, was andere dazu sagen. Ich bin alt genug, meine eigenen Entscheidungen zu treffen.

Die beste Entscheidung meines Lebens

Und so ging es im Herbst 2018 für mich zurück in die Garde. Natürlich hatte ich am Anfang einiges aufzuholen, da die Mädels bereits seit Sommer den neuen Tanz trainierten. Doch mein Ehrgeiz war geweckt und so lernte ich alle Schritte binnen kürzester Zeit mit Videos zuhause nach.

Und stand im Februar 2019 tatsächlich wieder auf der Bühne! Was ursprünglich als einmalige Aktion geplant war, hat nun noch kein Ende gefunden. Was soll ich sagen: Tanzen ist meine Leidenschaft. Und so stand ich auch 2020 mit 30 Jahren erneut im Schautanz auf der Bühne – und das sogar in einer Hauptrolle.

Mit 30 bin ich eine bessere Tänzerin als früher. Mehr Ausstrahlung durch ein stärkeres Selbstbewusstsein sind der Grund dafür.

Meine große Erkenntnis ist, dass ich mit 30 besser tanze als mit 25 Jahren. Die Gründe dafür sind recht einfach. Zum einen habe ich durch mein Fitnesstraining mehr Muskeln, kann somit mehr Spannung aufbauen und habe auch eine höhere Ausdauer.

Zum anderen ist es mir mittlerweile völlig egal, was andere im Bezug auf das Tanzen von mir halten. Ich tanze nur für eine Person: Für mich allein. Ich will am Ende von der Bühne gehen und für mich sagen – alles richtig gemacht, dass war ein fantastischer Auftritt.

Löst euch von dem Druck, es anderen recht machen zu wollen! Was zählt seid nur ihr selbst. Tanzt für euch, für euer Gefühl und eure Leidenschaft – Dann zeigt ihr immer das Beste, was in euch steckt.

Eure Lisa von keep-dancing.de

P.S. Und wer sich fragt, was „die anderen“ zu meiner Rückkehr gesagt haben: Ich habe ausschließlich positives Feedback erhalten.

Sowohl von älteren Personen aus unserem Verein, also auch aus den Reihen der deutlich jüngeren Tänzerinnen. Und: Ich habe quasi einen neuen Trend ausgelöst. Denn auch die Trainerinnen der Ü15 und ehemalige Tänzerinnen (in meinem Alter) sind in den Folgejahren wieder mit eingestiegen. Und dass ist ein wirklich großartiges Gefühl.

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