Zehn Wochen Cybertraining mit der Garde

Ein Erfahrungsbericht in Zeiten von Corona

Zehn Wochen Cybertraining mit der Garde

Ein Erfahrungsbericht in Zeiten von Corona

Virtuelles Gardetraining – Eine gute Idee?

Du erinnerst dich an die Schlagzeilen aus März 2020, als wäre es gestern gewesen: Geschlossene Schulen, abgesagte Großveranstaltungen wie die Deutsche Meisterschaft im karnevalistischen Tanzsport, tausende Todesfälle. Der Grund: Covid-19, das Coronavirus.

Im April stellte sich dann für viele Garden, so auch für meine, die Frage: Wie geht es nun mit dem Gardetraining weiter? Das Training bis auf Weiteres einzustellen ist keine dauerhafte Lösung, schließlich gehen so die erzielten Leistungen und Fähigkeiten ruckzuck verloren.

Eine Alternative musste her. Das Schlagwort der Stunde: Cybertraining. Hier im Blog sowie in der Zeitschrift Garde & Show habe ich dazu bereits einen ausführlichen Artikel geschrieben.

Heute möchte ich euch von meinen Erfahrungen nach zehn Wochen virtuellem Gardetraining berichten.

Am Anfang steht die Technik

…und zwar nicht nur am Anfang der zehn Wochen, sondern viel mehr zu Beginn jedes einzelnen Trainings. Bis heute haben wir immer noch Tänzerinnen, welche mit der Technik nicht zurechtkommen und das System (Anmerkung: Wir nutzen Zoom) nicht nutzen können.

Supportvideos, Telefonate und Unterstützung direkt während des Trainings via Messenger gehören Woche für Woche also zur Tagesordnung. Das ist nicht schön und macht auch keinen Spaß. Vor allem, da teilweise auch das Misstrauen wächst: Sind es wirklich technische Probleme oder ist die Technik vielleicht auch nur eine willkommene Ausrede, um sich vor dem Training zu drücken?

Das geht nur mit viel Vertrauen und dem Klarmachen, dass auch in diesen Zeiten ein regelmäßiges Training unabdingbar ist.

Ton und Zeit machen weitere Probleme

Auch die Tonqualität ist nicht ganz einfach. So haben wir schnell festgestellt, dass immer nur eine Person Reden sollte. Zwei gleichzeitig funktioniert nicht, da der Ton dann komplett abgeschnitten wird.

Und auch Musik wird nur abgehackt übertragen. Ein gemeinsames Tanzen so unmöglich, weswegen wir uns auf Aufwärmen, Kraftübungen und Dehnen beschränken.

Leider ist das Programm, welches wir nutzen, auf maximal 40 Minuten begrenzt. D.h. nach 40 Minuten muss eine neue Sitzung gestartet werden. Dabei kommt es immer wieder auch zu technischen Problemen, sodass wir teilweise Mädchen verlieren oder bis zu 10 Minuten warten müssen, bis alle wieder an Bord sind.

Glücklicherweise hat unser Verein für dieses Problem die „Pro-Version“ gekauft, sodass wir nach sieben Wochen wieder vollständig durchtrainieren konnten.

Gardetanz online: So machen wir’s

Gardetraining in Zeiten von Corona

Wie bereits beschrieben ist aufgrund des Tons ein gemeinsames Tanzen sehr schwierig. Daher erhalten unsere Mädels zusätzlich zum wöchentlichen Training noch ein Tutorial-Video mit ca. 20 bis 30 Sekunden neuen Schritten.

Das Ergebnis sollen sie uns zurücksenden. So können wir die Schritte einigermaßen vermitteln und korrigieren, auch, wenn es kein Vergleich zum Live-Training ist. Denn die richtige Ausführung virtuell beizubringen ist fast unmöglich.

Da werden wir, sobald ein Live-Training bei uns wieder möglich ist, ziemlich nacharbeiten müssen (Anmerkung: Aufgrund der hohen Auflagen wird dies bei uns frühestens nach den Sommerferien möglich sein).

Eine Trainingseinheit im Überblick

Doch wie läuft ein Training bei uns aktuell ab? Um kurz vor halb sieben melden wir uns im Meeting an. Bis alle da sind, können gut zehn Minuten vergehen. Anschließend starten wir mit leichten mobilisierenden Übungen.

Dabei macht eine Trainerin die Übung vor, eine andere sitzt am Bildschirm und korrigiert soweit möglich die Tänzerinnen. Auch dies ist – je nach Kamerawinkel – gar nicht so leicht. Und auch hier müssen wir aufpassen, der anleitenden Trainerin nicht ins Wort zu fallen. Das funktioniert leider nur teilweise gut.

Nach der Mobilisierung gibt es ein Warm-Up zum Beispiel in Form von Tabata, Aerobic oder klassischen Übungen, die den Puls nach oben treiben.

Danach geht es an Kraftübungen, Stabilität und schlussendlich dehnen. Alles in allem benötigen wir rund eine Stunde für das reine Training, mit An- und Abmeldung ca. 1:20.

So funktionieren die Übungen

Wir haben schnell gemerkt, dass man online doch nochmal deutlich detaillierter erklären muss, was zu tun ist. Über einen Handy- oder auch Laptopbildschirm sieht man faktisch einfach viel weniger, als wenn man sich direkt gegenübersteht.

Beim Korrigieren hilft es, die betroffenen Tänzerinnen direkt mit Namen anzusprechen und zu korrigieren. Da sieht man oftmals direkt eine Veränderung. Doch auch hier zählt: Wiederholung. Denn oft schleichen sich die Fehlstellungen nach wenigen Sekunden wieder ein.

Hürden: Fehlende Motivation und Zeit

Nach den ersten Wochen haben wir leider sehr schnell gemerkt, dass die Motivation nachlässt. Und das deutlich schneller, als es im Live-Training der Fall ist.

Der Hintergrund ist ganz einfach. Viele unserer Tänzerinnen machen diesen Sport aufgrund eines Zugehörigkeitsgefühls. Um gemeinsam mit ihren Freundinnen etwas zu unternehmen. Und nicht wegen dem Sport, dem Training und Tanzen an sich.

So allein zu Hause ist dies eben etwas anderes. Dort zeigt sich recht schnell, wer auch allein die Motivation für ein wöchentliches Training aufbringen kann und es „für sich“ und nicht für die anderen macht.

Planmäßiges und strukturiertes Vorgehen spart Zeit und verhindert Frust.Ein weiteres Problem ist tatsächlich fehlende Zeit. Daran haben wir Trainerinnen ehrlicherweise als letztes gedacht, schließlich saßen vor allem zu Beginn fast alle den gesamten Tag zuhause. Wer hier den normalen Rhythmus – 7 Uhr aufstehen, von 8 Uhr bis Mittag Schularbeiten – beibehalten hat, sollte (so zumindest unser Gedanke) auch die Trainingszeit am Abend einhalten können.

Leider wurden wir hier schnell eines Besseren belehrt. Die Uhr tickt zuhause eben anders, Homeschooling nimmt mehr Zeit in Anspruch und bis 18:30 Uhr waren oftmals doch noch nicht alle Schularbeiten erledigt.

Wie viel Zeit am Tag für Social Media und Co. draufgegangen ist, lassen wir mal aus der Betrachtung raus.

Wir haben uns zumindest immer über die Mädchen gefreut, die wirklich regelmäßig dabei waren. Schließlich ist das für uns als Trainerinnen die größte Wertschätzung.

Fazit zum Cybertraining mit der Garde

Fakt ist: Ein virtuelles Gardetraining ist langfristig keine zufriedenstellende Alternative. Es macht weder uns als Trainerinnen noch die Tänzerinnen glücklich. Das Zusammensein als Team, gemeinsam am Tanz zu arbeiten und Fortschritte zu erzielen, fehlt.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Motivation schneller nachlässt. Es ist einfach eine Notlösung, um nicht komplett in der erreichten Leistung einzubrechen.

Persönlich hoffe ich sehr, dass es nach den Sommerferien eine andere Lösung geben wird. Drücken wir die Daumen.

Welche Erfahrungen habt ihr in Zeiten von Corona mit dem Training gemacht? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar, ich bin gespannt auf eure Meinung.

Eure Lisa
keep-dancing

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