Gardetänzer in der Pubertät

Hormone in Bewegung

Die Pubertät, eine spannende und mitunter anstrengende Zeit. Für Gardetänzer, Gardetänzerinnen, Trainer und Trainerinnen gleichermaßen.

In der aktuellen Ausgabe der Garde & Show habe ich einen ganzen Artikel diesem Thema gewidmet. Was passiert eigentlich während der Pubertät in den Körpern der Jugendlichen? Welche Auswirkungen hat das auf das Gardetraining? Und was können wir als Trainerinnen und Trainer tun, um unsere Schützlinge bestmöglich durch diese herausfordernde Phase zu leiten?

All diese Antworten gebe ich dir in Ausgabe #16 der beliebten Zeitschrift.

Heute möchte ich das Augenmerk allerdings gezielt auf eine „Randgruppe“ im karnevalistischen Tanzsport werden. Denn welcher zusätzlichen Herausforderung sich unsere männlichen Mittänzer in der Phase der Pubertät stellen, ist uns Trainer*innen meist nicht vollständig bewusst. Zeit, unseren Blickwinkel zu erweitern

Männliche Gardetänzer – Eine (noch) Randgruppe im Fokus

Für jeden ersichtlich und mit dem bloßen Auge erkennbar: Der karnevalistische Tanzsport ist deutlich weiblich geprägt. Anders wie in anderen Tanzstilen herrscht hier auf der Bühne noch ein Frauenüberhang – auch wenn im Hintergrund viele Männer die Strippen ziehen.

Schon allein der Blick auf die Zusammensetzung gemischter Garden im BdK – auf drei Frauen kommt ein Mann – macht dies deutlich. In den Jugend- und Juniorengarden findet man vereinzelt männliche Gardetänzer. Doch ab den Ü15 werden rein weibliche und gemischte Garde getrennt. Fazit: Für viele männliche Tänzer bleibt meist nur der Weg als Tanzpaar. Und auch davon gibt es im Vergleich zu Solisten eher wenige.

Mittlerweile ist das Thema auch in den Medien publik. Immer mehr Stimmen fordern eine Erlaubnis, dass auch männliche Solisten bei BdK Turnieren starten dürfen. Bei Wettkämpfen anderer Verbände ist dies schon zulässig.

Die Pubertät und ihre Auswirkungen

Wenn man sich nun also die Anzahl der männlichen Gardetänzer in den Vereinen in Deutschland anschaut, ist es nicht verwunderlich, dass wir Trainerinnen und meist auch Trainer bei der Pubertät vor allem die Probleme der weiblichen Tänzerinnen präsent haben.

Zickenkrieg, dass erst Mal die Periode, veränderte Körperformen. Doch auch bei den Jungs bringt die Pubertät so einiges durcheinander. Und sie sehen sich mit noch einem ganz anderen Problem konfrontiert: Ihrem Ruf und Image bei Freunden und Klassenkameraden.

Der Tanzsport, vor allem der karnevalistische, gilt als klassischer Frauensport. Auch wenn immer mehr Männer wie beispielsweise Ben Adams sich stark für diese großartige Sportart machen, so werden Männer doch eher nicht dem Tanzen zugeordnet.

Zu filigran, zu elegant. Strumpfhosen sind eh nur was für Mädchen, von Schminke und spitzen Füßen mal abgesehen. Mache doch lieber was Männliches, so wie Fußball oder Boxen. Oder zumindest eine „männliche“ Tanzform wie HipHop.

Beschimpfungen und Gerüche

Du machst Tanzsport? Bist du schwul, oder was?

Nicht selten sehen sich vor allem Tänzer in der Pubertät diesen Beschimpfungen konfrontiert. Das Problem: Kinder können grausam sein. Vor allem in der Pubertät sind alle Hormone durcheinander. Man wird unsicher, versteht nicht was passiert. Denn der Körper verändert sich plötzlich, der Kopf ist aber noch nicht soweit.

Die Pubertät ist keine einfache Zeit für männliche Gardetänzer

Da sich das Gehirn in einer Umbauphase befindet, werden viele Entscheidungen nicht durchdacht, sondern emotional und impulsiv getroffen. Die Baustelle im Kopf verhindert ein klares Denken – das ist wissenschaftlich erwiesen.

So passiert es schnell, das unbedachte und verletzende Äußerungen fallen. Je unsicherer und beeinflussbarer der Tänzer in dieser Situation ist, umso schlimmer sind die Konsequenzen. Dies geht bis zum Austritt aus der Gruppe oder dem Verein.

So hilfst du deinen männlichen Gardetänzern

Damit es gar nicht soweit kommt, können wir Trainerinnen und Trainer proaktiv agieren und unsere männlichen Tänzern unterstützen.

Dabei geht – wie auch bei den Mädels – alles über die richtige Kommunikation. Wenn ihr eine Veränderung an euren Jungs bemerkt, geht frühzeitig auf sie zu und sprecht sie an. Gebt ihnen Rückendeckung und macht klar, dass sie etwas besonderes sind und ein starkes Talent haben.

Zeigt ihnen, dass sie genauso viel – wenn nicht sogar mehr – wert sind als die tausenden Fußballspieler auf dieser Welt. Denn sie haben sich für eine Sportart entschieden, die ihnen jede Menge abverlangt. Das schafft man nicht mal eben so im Vorbeigehen.

Habt ein offenes Ohr für die Probleme, die die Jungs aus ihrer Schulklasse mit ins Training bringen. Zeigt ihnen, dass ihr als Gruppe und natürlich auch die Eltern hinter ihm stehen und ihn unterstützen. Macht klar, dass es sich bei den Äußerungen um unbedachte und irrationale Meinungen handelt.

Der Sprecher hat in 99% der Fälle keine Ahnung, wie viel Disziplin, Anstrengungen und Ehrgeiz hinter unserem Sport steckt. Er ist vielleicht auch neidisch darauf, dass der Tänzer auf der Bühne steht und Leute für ihn applaudieren. Oder hat selbst zu viel Angst, vor einer vollgefüllten Veranstaltungshalle aufzutreten.

All das schlägt sich in den unkonstruktiven Aussagen wieder. Und auch wenn es schwer ist dies im pubertären Hirn zu verstehen, so hilft es doch sicher zu wissen, dass jemand da ist der hinter einem steht.

Gardetanz im Wandel

Jede schwierige Phase geht einmal vorbei. Und wenn es der männliche Gardetänzer durch diese anstrengende Zeit geschafft hat, so geht er mit einem starken Selbstbewusstsein und einem unbändigen Willen in die Erwachsenenphase über.

Das gute ist, dass der Karnevalistische Tanzsport gerade eine Art Wandel erfährt. Er wird populärer, es wird mehr im Internet und auf Social Media dazu berichtet und geschrieben. Immer mehr Menschen können damit etwas anfangen und sehen den Leistungsaspekt dahinter.

Das wird zukünftigen männlichen Tänzern das Leben in unseren Garden etwas einfacher machen. Dennoch sollten wir als Trainerinnen und Trainer weiterhin mit offenen Augen in unsere Gruppen gehen und unsere Tänzerinnen und Tänzer mit Rat und Tat zur Seite stehen. So wird uns der Tanzsport auch die nächsten Jahrzehnte noch viele Freunde bereiten.

Wie stehst du zu dem Thema Pubertät? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Ich freue mich über deinen Kommentar zum Thema.

Lisa von keep-dancing.de

Vielen Dank an Sebastian, der mir mit seiner Nachricht bei Facebook den Impuls für diesen Artikel gegeben hat 😊

2 Kommentare
  1. Susanne Massing sagte:

    Der Artikel hat mir als Mutter eines Sohnes mit beginnender Pubertät aus der Seele gesprochen. Die vergangene Saison war phasenweise geprägt von emotionalem Stress in der Gruppe, vor dem Auftritt… und plötzlichen Überlegungen, mit dem Tanzen aufzuhören und doch lieber Fußball machen zu wollen. Und es ist tatsächlich so, dass es für Jungs vielleicht noch schwieriger in der Juniorzeit ist, weil Mädchen in der Altersklasse oft weiter entwickelt sind, und Jungs sollen per se stark und vernünftig sein – Mädchen dürfen hingegen zickig und emotional sein. Mein Sohn ist sehr erfolgreich -zweifacher amtierender dt. Meister im Paartanz und in der Garde- und seine Klassenkameraden sind begeistert von seinem akrobatischen Können und damit kann er punkten, aber ich mag‘ nicht daran denken, wenn dem nicht so wäre…. Er will einfach nur (Garde) tanzen, und ich hoffe sehr, dass die Pubertät gerade mit dem Tanzen besser zu ertragen ist. Danke für Ihren tollen Beitrag!

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    • Lisa sagte:

      Hallo Susanne, vielen Dank für deine liebe Nachricht. Die Pubertät ist sicher eine sehr schwierige Zeit und ich ziehe den Hut vor dir, dass du deinen Sohn so bekräftigst. Tanzen ist einfach ein tolles Hobby. Ich habe deinen Sohn tatsächlich auf der DM im letzten Jahr gesehen und es wäre ein herber Verlust, wenn er auch wie so viele Jungs zum Fußball wechselt. Wir brauchen tolle, starke Tänzer auch in unseren Sport.

      Deswegen Hut ab und haltet durch! Ich bin schon gespannt auf die neue Saison.

      Antworten

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