Das Jahr als Gardetrainerin Teil 2

Alles im Griff mit den richtigen Listen.

Wer schreibt, der bleibt

Der erste Schritt in euren neuen Job als Gardetrainerin ist gemacht. Euer Verein weiß offiziell Bescheid und vielleicht habt ihr sogar schon die Kinder und Eltern informiert. Falls nicht, schaut doch nochmal in meinen ersten Blogartikel zum Thema Organisation rein: Das Jahr als Gardetrainerin – Teil 1: Das Trainingsjahr starten.

Heute dreht sich alles um mein Lieblingsthema: Listen. Listen sind perfekt, um alle Details eures Trainingsjahres perfekt zu organisieren und den Überblick zu behalten. Steigen wir doch gleich mal ein mit der Frage: Welche Listen brauche ich überhaupt?

Benötigte Listen für euer Trainingsjahr

Da sind zum einen die Klassiker, welche jede Gardetrainerin benötigt:

  • Tänzerliste
  • Adressliste
  • Telefonliste
  • Anwesenheitsliste

Unter der Tänzerliste verstehe ich eine Übersicht alle eurer Tänzer mit den für euch relevaten Informationen. Das sind in meinem Fall: Vorname und Name, die Größe, das Geburtsdatum und eine Übersicht der Schwierigkeiten. Das heißt, kann das Mädchen Spagat rechts, Spagat links und wenn ja wie gut? Welche Seite klappt beim Rad besser und so weiter. Das alles ist für mich als Trainerin einer Hobbygarde natürlich wichtig, da wir unsere Choreographie dann so erstellen, dass es möglichst für alle Tänzer gut passt.

Bei den Profis mag das etwas anders aussehen, hier ist es im Normalfall ja so, dass jeder alle Schwierigkeiten die auch gezeigt werden beherrschen muss. Aber auch hier macht es Sinn, den Stand am Jahresbeginn einmal abzutesten um zu sehen, an welchen Ecken die Tänzerinnen und Tänzer noch arbeiten müssen. Das ist auch wichtig als Orientierung für die eignen Ziele.

Spagat mit links oder rechts? Auch auf die richtige Seite der Schwierigkeit gilt es zu achten.

Die Adress- und Telefonliste dürfte jedem Einleuchten. Die Telefonnummern der Kinder und – zumindest in jungen Jahren – auch der Eltern helfen euch dabei, schnell mal Termine oder sonstige Absprachen abzustimmen. Die Adressen werden von eurem Vorstand für die Mitgliederverwaltung benötigt und sollten euch daher auch bekannt sein.

Heute komme ich, morgen komme ich nicht…

Auch die Anwesenheitsliste spielt eine große Rolle. Hiermit könnt ihr einfach feststellen, wie häufig eure Tänzerinnen und Tänzer im Training waren. Bei manchen Garden wird anhand der Anwesenheit die Auftrittsformation festgelegt. Wer beispielsweise nur eine kleine Bühne zur Verfügung hat kann so entscheiden, wer mittanzen darf und wer nicht.

Wir lassen die Anwesenheitsquote beispielsweise in die Auswahl unserer Schautanz-Hauptrollen mit einfließen. Neben der tänzerischen und schauspielerischen Qualität haben wir so noch ein drittes Kriterium welches zeigt, wie Zuverlässig die Tänzerin ist und wie wichtig ihr das Training ist.

Die Anwesenheitsliste füllen wir ganz einfach mit dem Datum unserer Trainingseinheit und arbeiten dann mit Kürzeln:

  • A steht für Anwesend und auch mitgemacht
  • E steht für Entschuldigt
  • U steht für Unentschuldigt
  • K steht für Anwesend aber krank bzw. nicht mitgemacht
  • S steht für zu spät und wird dementsprechend in Kombination mit A oder K genutzt

Ganz spannend ist es am Jahresende einmal auszuwerten, wie die Anwesenheitsquoten der einzelnen Tänzerinnen und Tänzer aussehen. Häufig passt diese natürlich auch zum Trainingseindruck. Wer häufig da war, der kannst und tanzt sicher.

Den Gardetanz geschickt geplant

Nachdem diese recht organisatorischen Liste abgehakt sind, können wir uns den Listen und Notizen rund um unseren Gardetanz widmen.

Screenshot des Musik-Schnitt-Programms Audacity

In erster Linie muss eure Musik geplant werden. Dafür solltet ihr natürlich beim Schautanz bereits das Thema eures Tanzes und das grobe Drehbuch bzw. die Geschichte kennen. Mehr dazu findet ihr in meinem Blogartikel Euer neuer Schautanz – Das Thema. Beim Marschtanz entfällt dieser Schritt natürlich und ihr könnt euch direkt eurem Musik-Schnitt widmen.

Ob Marschtanz oder Schautanz: Wenn ihr mehrere Lieder aneinander schneiden wollt, benötigt ihr einen Übersicht der einzelnen Musikparts. Notiert euch in einer Tabelle genau, ab welche Minuten das Lied starten und enden soll. Notiert außerdem die Gesamtlänge.

Macht das so mit jedem weiteren Song, den ihr dabei haben wollt. Am Ende habt ihr eine super Übersicht aller Lieder und der Länge eures Tanzes. Dann könnt ihr mit dem Schneiden beginnen oder das ganze an den Cutter eures Vertrauens weitergeben.

Ist eure Musik fertig geht es ans Auszählen. Beim Auszählen der Musik erstellt ihr ein genaues Bild darüber, wo sich Höhen und Tiefen befinden und wann die Musik wechselt. Habt ihr sie einmal durchgezählt könnt ihr anhand der Strichliste eure Choreographie planen. Ihr erkennt ganz einfach, wo sich ein Spagat, ein Positionswechsel oder ein Kreis gut einbauen lassen. Gleiches gilt natürlich auch für den Schautanz. Mehr zum Thema Auszählen findet ihr in meinem Blogartikel Euer neuer Marschtanz – Schritt 2: Das Konzept.

Schritte und Positionen immer zur Hand

Nach der Musik geht es direkt in die Planung eurer Schritte und Positionen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sorgt auch hier vor und notiert sich alles. Sicher gibt es auch Gardetrainer, die sich alle Tänze direkt im Kopf merken können. Solltet ihr nicht dazu gehören, kommt ihr um Notizen nicht drum herum.

Positionen malt ihr am besten als Kreise auf. Jede Tänzerin und jeder Tänzer bekommt im Vorfeld eine Nummer (zum Beispiel 1 für den kleinsten und 12 für den größten Tänzer). Diese Nummern könnt ihr bequem in den Kreis schreiben. Die Zuordnung Nummer – Name solltet ihr euch dann ebenfalls notieren. Dazu eignet sich eure Tänzerliste vom Anfang, da ihr in dieser auch die Körpergrößen aufgeführt habt.

Die Kreise malt ihr entweder direkt auf dem Papier oder digital. Hier könnt ihr die klassischen Office-Programme wie PowerPoint, Word oder Excel nutzen. Mittlerweile gibt es auch einige Apps wie die Choreo App fürs iPad oder die ChoreoStage für Android, mit welchen ihr eure Positionen digital abbilden könnt.

Choreographien erstellt ihr klassisch auf dem Papier oder in speziellen Apps.

Wer noch auf Zettel und Stift steht, der malt sich einfach eine „Bühne“ auf. Dort werden die Positionen (am besten mit Bleistift) aufgezeichnet. Nebendran oder unten drunter könnt ihr dann eure Schritte in dieser Position notieren. Bei mir sieht das dann so aus:

Beispiel einer Choreographie-Planung für ein Einzelmariechen.

Wie ihr seht, arbeite ich nur mit Schrift. Ich notiere mir also die Anzahl der Schläge und dahinter erst, was die Beine machen und dann was die Arme und ggf. der Kopf macht. Die Profis arbeiten hier noch mit Strichmännchen, um die jeweilige Bein-Arm-Kopf-Stellung darzustellen. Das ist jedem selbst überlassen.

Ein Tipp zum Schluss: Nummeriert eure Positionen durch! Wie oft ist es im Chaos schon passiert, dass die Zettel durcheinander kommen. Mit Seitennummern könnt ihr diese dann schnell wieder in die richtige Reihenfolge bringen.

Auch bei euren Kostümen alles im Griff

Steht der Tanz und die Choreographie könnt ihr so langsam um eure Kostüme und Requisiten kümmern. Hier gilt es, das Budget möglichst genau voraus zu planen und es auch nicht zu teuer werden zu lassen. Außerdem müssen rund um die Karnevalstage bestimmte Bestellfristen eingehalten werden. Gut also, wer auch hier einen Plan hat.

Zu den klassischen jährlichen Anschaffungen gehören Strumpfhosen sowie Schautanz- und Marschtanzschuhe. Vor allem die Jugend- und Juniorengarden wachsen häufig innerhalb kürzester Zeit aus den gerade angeschafften Utensilien heraus, sodass diese auf jeden Fall schon einige Wochen vor eurem ersten Auftritt bestellt werden sollten.

Hier hilft eine Liste mit je einer Spalte für Strumpfhose, Schautanz- und Marschtanzschuhe. Darunter notiert ihr je Mädchen die benötigte Größe und bei den Strumpfhosen auch die Anzahl. Hier empfehlen wir mindestens immer zwei zu besitzen, falls eine reißt.

Zusätzlich haben wir bei den Strumpfhosen und den Schautanzschuhen noch eine Geldspalte, denn diese werden von jedem persönlich finanziert. In der Spalte notieren wir dann, wer schon bezahlt hat. Wenn das gesamte Geld eingesammelt ist, kann die Bestellung erfolgen.

Mein Tipp: Setzt auch hier eine Frist und erinnert häufiger an die ausstehende Zahlung. Wer die Deadline nicht einhält muss seine Sachen selbst besorgen. Leider geht es nur so.

Da man die Marschkostüme eher selten austauscht, schauen wir uns einmal die Liste für die Schautanzkostüme an. Hier notiert ihr in Spalte eins alle Kostümteile und Requisiten, die benötigt werden. In der zweiten Spalte folgen dann die Größen (falls ihr etwas fertig kauft). Bei Stoff bzw. Requisiten lasst die Spalte einfach frei. In der dritten notiert ihr die Anzahl oder die benötigten Meter. Anschließend noch den Gesamtpreis.

Diese Übersicht legt dann eurem Verein vor und lasst sie euch absegnen, bevor ihr anfangt zu bestellen. Nicht, dass ihr am Ende euer Budget überzieht.

Der Feinschliff für eure Planung

Soweit, so gut. Der Großteil ist geschafft. Doch sicherlich gibt es noch viel mehr Dinge, die ihr Vorausplanen wollt.

Zum Beispiel beim Thema Schautanz. Neben Musik, Choreographie und Kostümen kann es sehr ratsam sein, sich hier einen detaillierten Zeitplan zu erstellen. Zum Beispiel bis wann muss die Musik fertig sein, bis wann müssen die Stoffe bestellt sein, bis wann muss das Nähteam fertig sein. Oder auch: Wie kommt die Requisite auf die Bühne, dann in die benötigte Szene und wie kommt sie wieder weg. Auch hier könnt ihr euch eine eigene Checkliste erstellen, um nichts zu vergessen.

Insgesamt hilft es, wenn man das Trainingsjahr ganz zu beginn einmal komplett durchplant. Ich habe das einmal beispielhaft für meine Garde als Zeitstrahl gemacht.

Grober Zeitplan für ein Trainingsjahr.

Das ganze könnt ihr aber natürlich auch als Excel-Liste führen. Hier mal ein Muster.

Was wir bei all der Planung nicht vergessen dürfen ist das wöchentliche Training. Und ja, auch das will geplant sein. Was ihr alles so innerhalb einer Trainingseinheit machen könnt und wie ihr euren Trainingstag effektiv gestaltet, dass zeige ich euch in meinem nächsten Artikel: Das Jahr als Gardetrainerin – Teil 3: Trainingsplanung und Trainingsziele.

Viel Spaß beim Lesen
Eure Lisa von keep-dancing

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