Mehr Aufmerksamkeit im Gardetraining

Warum dir deine Tänzer*innen nicht zuhören und wie du das ändern kannst

Mehr Aufmerksamkeit im Gardetraining

Mehr Ruhe – Weniger Stress

Wir wollen ja gar nicht viel: Ein ruhiges und angenehmes Gardetraining, Tänzerinnen und Tänzer, die konzentriert sind und zuhören. Die nicht diskutieren und ausführen, was wir ihnen sagen.

Dann haben wir alle weniger Stress, eine positive Grundstimmung und viel mehr Spaß im Training.

Klingt so einfach, oder? Und dennoch haben viele Trainerinnen und Trainer mit einem Problem zu kämpfen: Fehlende Aufmerksamkeit.

Doch was tun, wenn die Schützlinge einfach nicht zuhören wollen? Laut werden bringt erwiesenermaßen nur kurzfristigen Erfolg – im Gegenteil: Schreiende Trainer*innen vermiesen die Stimmung langfristig und ersticken die Motivation komplett.

Schauen wir uns also an, wie du wirklich für mehr Aufmerksamkeit und Konzentration im Gardetraining sorgen kannst.

Was ist eigentlich Aufmerksamkeit?

Damit wir mehr Aufmerksamkeit im Training schaffen können, müssen wir erstmal verstehen, was Aufmerksamkeit überhaupt bedeutet.

Wir werden tagtäglich mit tausenden unterschiedlichen Reizen konfrontiert. Bereits morgens schallt die Werbung aus dem Radio, Millionen Eindrücken strömen auf uns durch die sozialen Medien ein.

Aufmerksamkeit bezeichnet Fähigkeit, sich ganz bewusst auf nur eine Sache, nur einen Reiz zu fokussieren. Alle anderen Reize werden in dieser Zeit unterdrückt bzw. ignoriert.

Meistens reden wir von Aufmerksamkeit, meinen aber eigentlich Konzentration. Aufmerksamkeit bezieht sich auf die Ebene der Wahrnehmung – Im Straßenverkehr sind wir Aufmerksam, um keine Fußgänger anzufahren oder vor Autos zu laufen. Bei der Konzentration geht es um das zielgerichtete Handeln oder Denken für eine konkrete Tätigkeit.

Wir selektieren also ganz genau, auf was wir uns jetzt konzentrieren. Dabei haben wir nur ein begrenztes Zeitfenster, in dem so eine exakte Fokussierung möglich ist. Je älter wir werden, umso länger können wir uns am Stück auf nur eine Sache konzentrieren.

Alter Konzentrationsdauer
Kinder von 4 bis 5 Jahren Durchschnittlich 10 Minuten
Kinder von 5 bis 7 Jahren Durchschnittlich 15 Minuten
Kinder von 7 bis 10 Jahren Durchschnittlich 20 Minuten
Kinder von 10 bis 12 Jahren Durchschnittlich 25 Minuten
Kinder von 12 bis 16 Jahren Durchschnittlich 30 Minuten

Quelle: https://www.wellabe.de/magazine/wie-lange-kann-sich-der-mensch-konzentrieren

Wie ihr seht, können sich Kinder noch nicht so lange konzentrieren. Bei Erwachsenen liegt der Schnitt bei ca. 90 Minuten Konzentrationsspanne.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Was lernen wir daraus? Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie haben noch nicht die Fähigkeit, sich genauso lange zu konzentrieren wie wir als Trainer und Trainerinnen.

Das müssen wir uns immer wieder bewusst machen und akzeptieren. Wenn wir um diesen Umstand wissen, können wir schon grundsätzlich vorbereiteter und entspannter an das Training gehen und bestimmte Situationen besser einschätzen.

Eine zweite wichtige Einstellung: Wir sollten nie vergessen, dass wir das Training alle freiwillig besuchen. Dabei hat jeder seine zugeordnete Rolle im Team: Der eine ist Trainer bzw. Trainerin, der andere ist Tänzer*in.

Unterschiedliche Rollen bedeuten aber nicht, dass eine Rolle bessergestellt ist als eine andere. Beide Rollen sind gleichberechtigt und haben ihre individuelle Aufgabe. Nur gemeinsam kommen wir zum besten Ergebnis. Denn der beste Trainer ist nichts, ohne seine Tänzer*innen und umgekehrt. Das sollten wir nicht vergessen.

6 Tipps für mehr Aufmerksamkeit im Gardetraining

Nun haben wir verstanden, was Aufmerksamkeit bzw. Konzentration bedeutet. Außerdem wissen wir nun, wie unsere innere Einstellung bereits dafür sorgen kann, dass wir positiver und entspannter an das Training heran gehen.

Jetzt habe ich noch sechs praktische Tipps für euch, die ihr im Training anwenden könnt, um Aufmerksamkeit und Konzentration bewusst zu steuern und zu fördern.

Kommunikation

Offene und gewaltfreie Kommunikation ist der richtige Weg zu mehr AufmerksamkeitWie redet ihr eigentlich miteinander? Richtige und gewaltfreie Kommunikation ist sehr wichtig für ein stressfreies Training.

Redet offen miteinander, tauscht euch öfter mit euren Tänzerinnen und Tänzern aus. Hört zu und zeigt Interesse am Leben, den schönen, aber auch negativen Momenten eurer Kinder und Jugendlichen. Wenn ihr ihnen eure Aufmerksamkeit schenkt, dann bekommt ihr diese auch zurück.

Wenn du Kritik übst, sprich in der „ich“ Form. Beispiel: Statt zu sagen „Hör auf ständig mit Marie zu reden“ könntest du sagen „Ich fühle mich durch deine Gespräche mit Marie im Training gestört. Könnt ihr euch später unterhalten?“. So transportierst du deine Gefühle und deine Botschaft gewaltfrei und wirst eher akzeptiert.

Auch wichtig: Spreche nicht in „nicht“-Formen. Denn das Gehirn kann das Wort nicht ordentlich verarbeiten. Wenn du also sagst „Seid nicht so laut“, hören deine Tänzerinnen und Tänzer nur „Seid laut“. Besser: Kommuniziere, was zu wirklich willst. In diesem Beispiel also „Seid bitte leise“.

Partizipation

Lasst eure Tänzerinnen am Training teilhabenJeder mag es, wenn er in eine Entscheidung eingebunden und auf seine Meinung wert gelegt wird. Das kennst du sicher aus dem Job: Wenn du einen Chef hast, der deine Meinung gerne anhört und deine Gedanken in wichtige Entscheidungen mit einbezieht, dann fühlst du dich besser und bist motivierter.

Dasselbe ist es im Training. Lass auch deine Schützlinge einmal zu Wort kommen. Was möchten Sie eigentlich? Was interessiert sie am Tanzen? Vielleicht können sie einen neuen Schritt beisteuern oder haben Lust, mal ein Aufwärmspiel auszusuchen. Auch bei der Musikauswahl oder bei der Suche nach dem neuen Schautanzthema könnt ihr eure Tänzerinnen und Tänzer teilhaben lassen.

Frage sie auch, was sie noch lernen und erreichen wollen. Wenn deine Kids und Jugendlichen ihre Wünsche äußern dürfen und diese in der Trainingsgestaltung auch berücksichtigt werden, schenken sie dir automatisch mehr Interesse.

Ziele

Ziele helfen bei der Motivation. Das sorgt automatisch für mehr Konzentration im TrainingZiele tragen sehr zur Motivation bei. Und wer motiviert ist, wird automatisch auch konzentrierter an neue Aufgaben im Training heran gehen.

Also: Setzt euch am Anfang der Saison gemeinsame, aber auch persönliche Ziele. Definiert, bis wann ihr das Ziel erreicht haben wollt und wie der Weg dorthin aussehen kann. Zwischenziele helfen dabei, nicht vom Pfad abzukommen und die Motivation und Konzentration zur Zielerreichung hochzuhalten.

Um Ziele zu finden können auch Vorbilder hilfreich sein. Wollt ihr zum Beispiel so einen großartigen Ausdruck haben wie Michelle Maldonado? Oder eine Sprungkraft wie Bianca Dürrbeck? Mit Vorbildern und Zielen wird es auch einfacher, die Konzentration und Aufmerksamkeit hochzuhalten.

Transparenz

Erklärungen helfen beim Verständnis, schaffen Transparent und sorgen für AufmerksamkeitStell dir vor, du stehst völlig im Dunkeln. Weißt nicht was dich erwartet und warum du diese eine Aufgabe jetzt unbedingt machen muss. Was bringt sie dir denn?

So sollten sich deine Tänzerinnen und Tänzer auf keinen Fall fühlen! Deswegen: Schaffe von Anfang an Transparenz im Training. Das beginnt mit den Zielen – Was habt ihr in diesem Jahr vor, was wollt ihr erreichen?

Aber auch jede Trainingseinheit sollte deinen Schützlingen klar sein. Worum geht es heute, was kommt auf mich zu? Ebenso solltet ihr neue Übungen vor allem zu Beginn der Saison intensiv und mehrfach erklären.

Nicht nur wie sie funktioniert, sondern auch was sie dem Tänzer bzw. der Tänzerin ganz persönlich bringt. Was sie oder er damit trainiert und für welche späteren Figuren sie notwendig ist.

Wer den Plan und die Hintergründe kennt, erkennt auch einen Sinn und hinterfragt seltener.

Ablenkung

Getuschel und Lachen am Rand der Trainingsfläche führt zur Ablenkung der Tänzerinnen und sollte vermieden werden.Wie eingangs dargestellt werden wir alle täglich mit tausenden neuen Eindrücken konfrontiert. Und natürlich kann es auch im Training zu Ablenkungen kommen. Diese reißen dich dann aus der Konzentration, sodass du deinen Fokus verlierst.

Solche Ablenkungen können sein:

  • Trainer, Eltern, Freundinnen oder kranke Tänzerinnen am Rand. Je lauter diese sind, umso stärker die Ablenkung
  • Smartphone – Ist klar, oder?
  • Zu lange Pausen – Leerzeiten, z.B. wenn die Trainer noch Positionen oder Schritte erarbeiten
  • Eindrücke und Situationen des Tages, die einen einfach nicht loslassen – Zum Beispiel der Streit mit der Freundin oder eine schlechte Note in der Schule

Ihr seht: Es gibt innere und äußere Ablenkungen. Die äußeren könnt ihr recht einfach einschränken. Grundsätzlich sollten keine externen Gäste im Training dabei sein – außer ist es bewusst angekündigt bspw. bei einem Vortanzen.

Auch Trainer*innen, die gerade nicht aktiv anleiten, sollten sich zusammenreißen, aufmerksam sein und nicht am Rand schnuddeln.

Handys können in einer Box gesammelt werden oder einfach in der Tasche bleiben. Leerzeiten können durch eine bessere Vorausplanung der Trainer verhindert werden.

Bei innerer Unruhe hilft es, zu Beginn der Trainingseinheit im Rahmen einer Rederunde seinen Gedanken Luft zu machen.

Je weniger Ablenkung ihr habt, umso konzentrierter läuft das Training ab.

Pause

Ausreichende Pausen, Wassern und frische Luft steigern die KonzentrationDer letzte Tipp ist eigentlich ganz einfach: Legt öfter mal eine Pause ein. Orientiert euch dabei an den Konzentrationsspannen eurer Altersklasse. Bei der Jugend sollte alle 20 Minuten eine Pause gemacht werden, Junioren halten auch 30 Minuten am Stück durch.

Nutzt die Pausen aktiv, um frische Luft reinzulassen und etwas zu trinken. So gebt ihr dem Körper neue Energie und regt das Gehirn wieder an.

Und wenn nichts mehr hilft?

Doch was, wenn nichts mehr hilft? Wenn ihr alle Tipps beherzigt habt und trotzdem alle verrücktspielen? Ihr schon dieses Kribbeln im Bauch spürt und nur noch eine Aktion reicht, damit ihr explodiert?

Dann hilft nur noch eins: Drückt den Stopp-Knopf. Macht eine ungeplante Pause und geht kurz vor die Tür. Nehmt vier bis fünf tiefe Atemzüge und atmet den Stress und die negative Energie weg.

Dass geht durch langes und tiefes ein- und ausatmen. Dabei sollte das Ausatmen doppelt so lange dauern, wie das Einatmen. Schaut dabei auf die Uhr oder zählt die Sekunden. So kommt ihr wieder runter.

Im Anschluss reflektiert die Situation: Was ist gerade passiert? Was habe ich evtl. falsch gemacht? Wie sind die Kinder in diesem Zustand gekommen? Und wie schlimm war es wirklich auf einer Skala von 1 bis 10?

Sucht anschließend das Gespräch, stellt eure Gefühle da (Kommunikation – „Ich-Perspektive“) und findet gemeinsam (Partizipation) mit den Tänzer*innen eine Lösung für den Rest der Trainingseinheit.

Aufmerksamkeit kann gelernt werden

Ihr seht: Es gibt viele Tipps um Techniken damit ihr zukünftig ein deutlich entspannteres und ruhigeres Training mit euren Schützlingen genießen könnt.

Habe ich noch etwas vergessen oder habt ihr einen weiteren ultimativen Tipp zum Thema Konzentration? Dann hinterlasst mir gerne einen Kommentar.

Eure Lisa von keep-dancing

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