Der erste Auftritt mit dem Gardetanz

4 Tipps für GardetrainerInnen

Der erste Auftritt

Die Emotionen spielen verrückt

Wow – Der erste Auftritt. Erinnerst du dich noch? An die Nervosität, die freudige Aufregung – und das Gefühl „danach“, wenn der Applaus einsetzt?

Sowohl für Trainerinnen und Trainer als auch für Tänzerinnen und Tänzer ist der erste Auftritt ein emotionales Erlebnis. Schließlich wollen alle zeigen, was sie das gesamte Jahr geübt und für was sie Woche für Woche trainiert haben. Wir wollen glänzen, einen tollen Auftritt hinlegen, uns nicht blamieren. Und am Ende den Applaus und vielleicht das ein oder andere Lob ernten.

Dabei ist die Art der Aufregung doch von TänzerIn zu TrainerIn ganz unterschiedlich. Ich persönlich bin als Trainerin deutlich angespannter, als ich es noch zu meiner aktiven Zeit auf der Bühne war. Als Trainerin kann man im Moment des Auftrittes nur zusehen, nicht aktiv eingreifen. Und am Ende fällt eine vermeintlich schlechte Leistung der Garde auf dich als Trainerin zurück.

Als Tänzerin habe ich es hingegen selbst in der Hand. Ich weiß, was ich das gesamte Jahr gemacht habe und wie sicher ich im Tanz bin. In diesem Moment zählt nur eins: Alles geben um Trainer, Eltern, Freunde und natürlich vor allem sich selbst stolz zu machen.

Es gibt viele erste Auftritte

Als Trainerin kann man beim Auftritt nicht mehr viel machen außer ihn zu genießen.Beim ersten Auftritt denke ich zuallererst natürlich an das erste Mal überhaupt auf der Bühne. War diese Bühnenpremiere bereits in der Jugend, so sind die Erinnerungen vielleicht verschwommen. Gut also, dass es nicht nur diesen einen ersten Auftritt gibt.

Auch die Premiere des nagelneuen Tanzes ist ein wichtiger erster Auftritt. Kommt er bei Publikum und Verein an? Wirkt er so, wie ich es mir als Trainerin vorgestellt habe?

Und dann gibt es natürlich noch den ersten Auftritt in einer neuen Gruppe, zum Beispiel wenn man in die nächsthöhere Garde aufsteigt oder dein Verein wechselt. Bei uns ist es zum Beispiel so, dass die Tänzerinnen erst ab den Junioren am 11.11 und der Weiberfastnacht auftreten – auch ein besonderes erstes Mal.

Was können wir Trainerinnen und Trainer tun, damit der erste Auftritt wirklich perfekt wird? Heute bekommst du vier Tipps von mir, die dir und deiner Tanzgarde zum perfekten ersten Auftritt verhelfen können.

Vorbereitung für den ersten Auftritt

Das Wichtigste: Der Gardetanz sollte sitzen! Und zwar nicht erst in der Woche vor dem ersten Auftritt sondern am besten bereits einige Monate zuvor. Das hat verschiedene Gründe.

Zum einen sorgt es dafür, dass deine Tänzerinnen und Tänzer den Tanz je öfter sie ihn tanzen sicherer beherrschen. Zum anderen ist ein voller Tanz-Durchgang auch unheimlich anstrengen. Je häufiger ihr im Training also schon voll ausgelastet habt, umso mehr stärkt ihr die Kondition für den ersten Auftritt.

Der Tanz sollte also so sicher ins Gedächtnis gebrannt sein, dass der Körper ohne nachdenken automatisch weiß, was als nächstes kommt.

Die letzten Trainingseinheiten vorm ersten Auftritt

Bei der letzten Trainingseinheit vorm Auftritt heißt es: Kräfte sparen. Es spricht aber nichts gegen eine ordentliche Dehneinheit.Wie bereits beschrieben ist der erste Auftritt immer hoch emotional. Das schlägt auf die Kondition. Die Tänzerinnen und Tänzer sollten also die Kraft haben, diese zusätzliche Anstrengung durchzuhalten. Dazu ist es wichtig, sie vor dem Auftritt nicht zu sehr zu fordern.

Wenn ihr in den langen Wochen vorher ordentlich trainiert und ausgelastet habt, schaltet in den letzten Trainingseinheiten vorm Auftritt etwas runter. Nutzt es für letzte Korrekturen und Wiederholungen. Sprecht über den anstehenden Auftritt, sammelt positive Gefühle. Bestärkt euch in eurem Können.

Tanzt ruhig nochmal durch – allerdings sollten ein bis maximal zwei Durchgänge reichen.

Ebenfalls wichtig: Versucht keine Änderungen in der letzten Sekunde durchzuführen. Profi-Garde die auf Turnieren tanzen sind dies vielleicht gewohnt, im Freizeitbereich wird so eine kurzfristige Anpassung jedoch eher zu Verwirrung führen und dem Tanz letztendlich nicht gut tun.

Wenn ihr noch etwas anpassen wollt, so schiebt dies auf die nächsten Trainingseinheiten nach dem Auftritt. Dann habt ihr auch die Gewissheit, dass es auf der Bühne nicht vielleicht doch gut wirkt.

Aufregung und Nervosität

Ein gesundes Maß an Aufregung und Nervosität vor dem ersten Auftritt ist völlig normal. Diese Aufregung sorgt dafür, dass Adrenalin durch unseren Körper schießt. Dies macht und belastbarer und sorgt dafür, dass plötzlich noch mehr Kraft da ist, als man bisher im Training aufbringen konnte.

Doch was ist, wenn es über eine normale Nervosität hinaus geht, wenn deine Tänzerin oder dein Tänzer richtig Angst hat vorm ersten Auftritt?

Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese Ängste einzudämmen. Ein wichtiger Faktor ist Klarheit über den Ablauf des Tages. Ich weiß, wann ich wo zu sein habe, wann ich warm sein muss, um wie viel Uhr mein Auftritt ist.

Ich weiß, wie der Raum und die Bühne aussehen, auf welcher ich später tanzen werden. In besten Fall habe ich dort eine Stellprobe gemacht oder sogar einmal den Tanz im Rahmen einer Generalprobe durchgetanzt.

Schon allein diese vermeintlichen Kleinigkeiten sorgen für mehr Ruhe im Körper.

Umgang mit Auftrittsangst

Eine Traumreise hilft bei der Entspannung und kann Auftrittsangst reduzieren.Doch was, wenn dies ebenfalls nichts nützt und der Tänzer bzw. die Tänzerin schon vorm Auftritt völlig fertig ist? Hier können Techniken aus Meditation und Yoga helfen.

Nimm dir Zeit für die Betroffene, rede mit ihr und höre zu. Atmet gemeinsam die Angst weg. Bereits zehn bewusste Atemzüge können dafür sorgen, dass sich Kopf und Körper beruhigen.

Auch eine positive Traumreise kann helfen, mit Ängsten umzugehen. Reist in Gedanken zum Zeitpunkt nach dem Auftritt, wenn alles funktioniert und der Applaus einsetzt. Visualisiert in Gedanken, dass ihr den Tanz beherrscht und auf der Bühne strahlen werdet.

Weitere Ansätze zum Umgang mit Auftrittsangst findest du im Buch „Sportpsychologisches Training im Garde- und Showtanzsport“ von Nicole Vogel.

Am Tag des ersten Auftritts

Nun ist er da, der Tag der Tage. Als Trainer bzw. Trainerin hast du nun eine Aufgabe: Ruhig bleiben! Sei da für deine Tänzerinnen und Tänzer. Höre zu bei Sorgen, lacht gemeinsam, schenke Mut und Vertrauen.

Um Stress zu vermeiden, trefft euch frühzeitig. So könnt ihr euch in Ruhe Schminken, anziehen und aufwärmen. Plant hier auf jeden Fall ordentlich Zeit ein, wenn es der Auftritt erlaubt. Je weniger Hektik ausbricht, umso ruhiger und konzentrierter können alle in den ersten Aufritt starten.

Bevor es auf die Bühne geht, sorgt ein letztes Mal für Motivation. Dazu kann sich ein Gruppen-Schlachtruf eigenen aber auch einfach positive Worte von dir, die den Tänzerinnen und Tänzern zeigen, dass du an sie glaubst und weißt, was in ihnen steckt.

Auch Umarmungen und Schulterklopfen zeigen deine Zuneigung und dein Vertrauen. Der Rest ist Schicksal.

Und nach dem Auftritt?

Zeige deine Freude und deinen Stolz nach dem ersten Auftritt.Geschafft! Der erste Auftritt liegt nun hinter dir und deiner Gruppe. Auch an diesem Punkt ist es wichtig, die richtigen Dinge zu sagen und zu zeigen.

Lege deinen Fokus nicht auf Fehler – Diese könnt ihr besser später in der nächsten Trainingseinheit angehen. Besser: Lobe, stelle die positiven Aspekte in den Vordergrund und zeige deinen Stolz für die Gruppe.

Unterstütze Mädchen und Jungs, die mit ihrer Leistung unzufrieden waren. Schließlich wissen sie nun, an was sie noch arbeiten können. Wandle die Unzufriedenheit um in ein Ziel – Beim nächsten Auftritt klappt es und ich fange mein Bein. Ein Ziel ist der größte Motivator für Leistungssteigerung.

Feiert den ersten Auftritt. Gönnt euch etwas Leckeres zu naschen oder bei älteren TänzerInnen auch mal ein Glas Sekt.

Erste Auftritte genießen

Dass waren auch schon meine vier Tipps zum Umgang mit dem ersten Auftritt. Bleibt abschließend noch zu sagen: Genieße den ersten bzw. jeden Auftritt! Du weißt nicht, wie viele du davon haben wirst. Sauge die Energie, die Emotionen und Gefühle in dir auf und verwahre sie für schlechte Momente. Zehre davon, wenn das Training mal wieder anstrengend ist oder die Zeit stressig.

Wie war dein erster Auftritt? Schreibe es mir in die Kommentare.

Deine Lisa von keep-dancing

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