Geduld im Gardetanzsport

Gastbeitrag von Nicole Vogel

WIR LERNEN GEDULD AM BESTEN DADURCH, DASS WIR SIE ÜBEN (Jim Elliot)

Lisa brachte mich durch ihren kleinen Post auf die Idee diesen Beitrag zu schreiben. Danke nochmal für die Inspiration.

Über die Autorin

Sportwissenschaftlerin Nicole VogelNicole Vogel kann auf über 30 Jahre tänzerische Erfolge im Garde und Showtanzsport des BdK zurückblicken. Insgesamt konnte sie 16 Mal den Deutschen Meistertitel erringen.

Zusätzlich hat sie ein Studium der Sportwissenschaften & Kunstgeschichte (Magister Artium M.A.) mit dem Schwerpunkt Schwerpunkt – Sportmanagement im Gesundheitswesen am Institut für Sport und Bewegungswissenschaft absolviert und arbeitet als Personal Trainerin.

Nicole hat bereits mehrere Bücher zum Training im karnevalistischen Tanzsport veröffentlicht und gibt auf Facebook viele Tipps rund um den karnevalistischen Tanzsport.

Geduld ist eine Tugend, die viele von uns nicht aushalten können – sie bleibt oft auf der Strecke. Nichts kann mehr abgewartet werden, alles ist hektisch, muss sofort sein – manchmal um jeden Preis.

Eine Geschichte der Geduld

Ich erzähle Euch mal eine kleine Geschichte, die mit „Geduld“ gelesen werden darf:

Es war einmal ein junger Bauer, der wollte seine Liebste treffen. Er war ein ungeduldiger Geselle und viel früher zum Treffpunkt gekommen. Er verstand sich schlecht aufs Warten. Er sah nicht den Sonnenschein, nicht den Frühling und die Pracht der Blumen. Ungeduldig warf er sich unter einen Baum und haderte mit sich und der Welt.

Da stand plötzlich ein graues Männlein vor ihm und sagte: „Ich weiß, wo dich der Schuh drückt. Nimm diesen Knopf und nähe ihn an deine Jacke. Und wenn du auf etwas wartest und dir die Zeit zu langsam geht, dann brauchst du nur den Knopf nach rechts zu drehen, und du springst über die Zeit hinweg bis dahin, wo du willst.“

Der junge Bauer nahm den Zauberknopf und drehte. Und schon stand die Liebste vor ihm und lachte ihn an. Er drehte abermals und saß mit ihr beim Hochzeitsschmaus. Da sah er seiner jungen Frau in die Augen:

„Wenn wir doch schon allein wären …“

„Wenn unser neues Haus fertig wäre …“

Und er drehte immer wieder. Jetzt fehlten noch die Kinder und er drehte schnell am Knopf. Dann kam ihm Neues in den Sinn und er konnte es nicht erwarten. Und drehte, drehte, dass das Leben an ihm vorbein sprang, und ehe er sich’s versah, war er ein alter Mann und lag auf dem Sterbebett.

Er merkte, dass er schlecht gewirtschaftet hatte. Nun, da sein Leben verrauscht war, erkannte er, dass auch das Warten des Lebens wert ist.

Und er wünschte sich die Zeit zurück…

Eigentlich eine schöne aber auch wegweisende Geschichte nicht wahr? Aber was sagt sie uns?

Was Geduld mit Selbstbewusstsein zu tun hat

Das sofortige Wollen ist der erste entscheidende Fehler im Kopf – da beginnt es. Ich denke wenn der Kopf verstanden hat, dass man Wochen, Monate oder Jahre für etwas braucht, dann kann er mit der Ungeduld wahrscheinlich auch besser umgehen. Ich meine was macht uns denn so ungeduldig? Nicht so toll zu sein wie andere? Warum denn? Hat doch Zeit. Oder nicht gleich das haben zu können, was anderen haben – warum brauchen wir es sofort? Woran liegt so etwas?

Stichwort: Selbstbewusstsein.

Ich denke ganz viele definieren ihren Selbstwert über gewisse Dinge, sie sofort Können zu wollen, sie sofort haben zu wollen – nennt sich auch kompensieren. Ungeduld ist der falsche Ehrgeiz. Vertrauen und Zuversicht das Gesunde. Was treibt einen denn in diese Ungeduld hinein – sonst wär man doch geduldig?!

Wie überträgt sich das auf den Ehrgeiz eines Tänzers oder dessen Trainer und Eltern?

All das fehlt womöglich auch in unserem Höher, Schneller, Weiter leider bis heute. In der Ruhe liegt die Kraft, und so war es immer schon. Ich denke auch, das macht genau die Qualität über lange Zeit aus, die es später benötigt – auch wenn man stagniert. Vielleicht tut man das gar nicht und der Körper passt sich einfach Monate über an – das nennt sich Entwicklung. Darüber denken die Wenigsten nach. Fortschritt ist nicht immer gleich „sofort“ sichtbar, er bereitet sich aber Wege.

Gelassenheit hilft der Geduld

Gelassenheit ist etwas, was unglaublich viel Selbstwert schafft, auch wenn man mal was nicht so kann wie die anderen . Dann zählt es wie durchhaltend man wirklich ist – daran scheitern viele und deshalb gibt es bessere und schlechtere, aber damit muss man umgehen können, auch für diese Gedankengänge braucht es Geduld und Einsicht.

Gelasseinheit hilft dabei, die Geduld zu entwickeln. Und auch ein gesundes Selbstbewusstsein trägt zur Geduld bei.

Mit der eigenen Entwicklung wird man doch viel selbstbewusster, athletischer und dann kommt der Rest für das, was man können möchte – nicht was man sollte, sondern für das, was man selber möchte. Vielleicht sieht das mit der vorhandenen Geduld dann plötzlich ganz anders aus – Ziele verändern sich, ganz andere Zwischenziele erscheinen plötzlich. Alles passiert mit der Zeit und der Ruhe – aber auch dem Vertrauen in die Trainer.

Privat bin auch ich manchmal ungeduldig, aber da sagt der Kopf mir auch „mach mal halblang das wird schon“  Klappt’s halt zu einem anderen Zeitpunkt. Oder ist man als Tänzer eben ein bisschen später so toll wie andere – was soll’s denn? Wir haben doch alle Zeit der Welt, dann sind wir noch toller als der Rest, wenn es uns denn hilft oder dem Ego, das wahrscheinlich immer noch ein wenig in der Ungeduld steckt

Geduld führt zu bewussterem Leben und Erleben

Enttäuschungen und Misserfolge wegstecken, sie verarbeiten, dazu braucht es viel Geduld. Neue Versuche starten, das ist dann der Weg. Manchmal ist es der Weg, der uns prägt mit all dem, was uns auf seinen Pfaden begegnet und eben nicht das ungeduldig erwartete Endziel. Das verschafft deutliche Wechsel der Blickrichtungen und des Verstehens. Bringt die eigene Seele dazu im Verlieren anderen etwas zu gönnen. Auch das gehört zur Geduld – daraus gewinnt man sehr viel. Manchmal mehr als durch das Gewinnen selbst.

Diese Einsicht bringen nicht nur das gesamte Leben, sondern auch die Tänzerjahre mit sich, da ist man in jüngeren Jahren ggf. weniger gelassen. Irgendwann versteht man den Lauf der Dinge und deren Dauer, dann verliert die Ungeduld ihre wahre Grausamkeit  Den Druck mit der Ungeduld macht man sich „emotional“ übrigens immer selbst – der Kopf entscheidet wieder vieles. Blöde Birne ich weiß, aber manchmal hat sie leider rational gesehen auch oft recht

Drehen wir also doch lieber etwas weniger gewaltsam am Knöpfchen der Zeit und durchleben sie „bewusster“, üben uns in Geduld auf den Wegen zu unseren Zielen.

Liebe Grüße

Eure Nicole

Literatur für den Gardetanzsport von Nicole Vogel

Literatur für den Gardetanzsport von Nicole Vogel
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