IMG_2079Es ist Samstag, der 28. November 2015. Ich stehe in meinem Ankleidezimmer und packe meine Reisetasche. Keine zwei Stunden später sitze ich im Auto. Mein Ziel: Die Showdance-Weltmeisterschaft in Riesa.

Von der Tanzstadt Riesa

Nun fragt ihr euch sicher: Wer oder was ist Riesa? Riesa ist eine Stadt mittlerer Größe in Sachsen. Mit einer Einwohnerzahl von 31.011 (Quelle: Wikipedia) und einer Fläche von 58,84 km² liegt Riesa ungefähr eine Stunde und zwanzig Minuten von östlich von Leipzig. Bekannt ist Riesa auch als Stadt des Sports. Bereits zum neunzehnten Mal fanden in diesem Jahr die Tanzwochen in Riesa statt. Vom 23. bis zum 28. November kämpften die besten Showtänzer der Welt um die vordersten Plätze. In der Woche danach zeigen die Stepptänzer, was sie drauf haben.

Der weite Weg nach Riesa

Gegen 13 Uhr startete ich meine Reise nach Riesa. Mit dabei meine Mutter und eine Freundin, welche wir in Leipzig einsammeln wollten. Gegen halb vier erreichten wir dann endlich unser Zwischenziel. Nach einer kurzen Kaffeepause trafen wir gegen halb sechs in Riesa ein. Die Essenssuche gestaltete sich leider etwas schwierig, dennoch konnten wir pünktlich um 20151128_19000119:00 Uhr unsere Plätze in der SachsenARENA einnehmen. Und ich sage euch: Pole-Position! Wir hatten – dank rechtzeitiger Buchung – Plätze in der ersten Reihe erwischt und damit eine perfekte Sicht auf die Bühne.

Mit einer kleinen Verzögerung ging es dann um kurz nach sieben endlich los. Und was war das für ein grandioses Opening! Eine Crew aus Polen zeigte eine faszinierende Choreographie, tänzerische Höchstleistungen und traumhafte Figuren. Einen kleinen Videoausschnitt habe ich euch hier mitgebracht:

Es folgte der Einmarsch der Nationen. Und wenn ich bisher dachte, mein Weg war weit, dann habe ich mich aber ordentlich getäuscht. Südafrika, Kanada, Russland, Polen, die Schweiz, Bosnien & Herzigowina…ich könnte ewig weiter aufzählen. Insgesamt traten zu Beginn der Woche über 2.500 Tänzer aus mehr als 25 Nationen an! Heute war das Finale und wir sahen die Besten der Besten. Einfach eine tolle Show. Hier ein kleiner Einblick in den Einmarsch der Deutschen Mannschaft „Jazz Lights!“:

Der Ablauf

Nach kurzweiligen Ansprachen und der Vorstellung der Jury ging es endlich los. Das System: Die Tänzer treten in sechs unterschiedlichen Kategorien an. Zu sehen gibt es sechs bis maximal acht Acts – Die besten der Welt! Hier gibt es, anders als bei den Marschtanzturnieren, keine offengelegten Punkte. Die Jury entscheidet geheim, wer die vorderen Plätze belegt. Verkündet wurden die Gewinner jeweils nach den ersten drei Kategorien und am Schluss. Dazu aber später mehr.

Runde eins – Atmen nicht vergessen

In Kategorie eins traten sieben beeindruckende Tänzerinnen mit ihren Solos an. Von der Schlangenfrau, über eine Hypnose bis hin zu einer Soldatin wurde einiges geboten. Die Solistinnen zogen einen mit ihrer besonderen Ausstrahlungen, unglaublicher Präzision und vollkommener Hingabe in ihren Ban12234896_1071873032847586_6118822261203119627_nn. Eine tolle Show die leider viel zu schnell vorbei war.

Es folgten die weiblichen Paare. Hier bekamen wir sechs wundervolle Geschichten zu sehen. Ob kämpfende Schachfiguren, knallharte Karrierefrauen oder freche Ballerina’s – Die Tänze waren allesamt sehr kreativ und unterhaltsam. Einen Favoriten konnten wir hier nicht feststellen.

Zum Ende der ersten Runde starteten die kleinen Gruppen. Diese dürfen aus maximal drei bis sieben Personen bestehen. Die Gruppe aus Russland muss ich hier einfach gesondert hervorheben. Mit ihrem Tanz „The man in a case“ haben sie mich völlig vom Hocker gehauen. Die Geschichte war einfach Kunst pur, die Umsetzung begeisternd. Diesen Tanz hätte ich mir sehr gerne nochmal angesehen.

Die Gewinner der ersten Runde

In einer feierlichen Zeremonie wurden dann endlich die Sieger der einzelnen Wettkämpfe bekannt gegeben. Nacheinander wurden die Solistinnen auf die Bühne geholt – Beginnend bei Platz sieben bis hin zu Platz vier. Dann wurde es auf einmal dunkel in der Arena. Eine Discokugel verwandelte die Halle in eine Sternenhimmel. Dazu erklang eine Fanfare. Was für ein Ambiente!

IMG_2669Es folgte ein kleiner Einspieler des dritten Platzes – Eine tolle Idee, denn so konnte man die Siegerin nochmal dem Tanz zuordnen. Den dritten Platz belegte Sara Rizvic aus Bosnien & Herzigowina. Auf Platz zwei landete Patricija Crnkovic aus Slovenien. Und den ersten Platz belegte die wunderbare Arnika Matko Juvancic mit ihrem Tanz „Once upon another time“. Ein verdienter Sieg, den ich voll unterstreichen kann.

Es folgte die Verleihung der weiblichen Duos in gleicher Art und Weise. Hier konnten sich Kseniya Goryacheva und Cristina Zotova aus Russland mit ihrer Interpretation von „Knocking on heavens door“ gegen die starke Konkurrenz durchsetzten. In der Kategorie „Kleine Gruppen“ gewannen meine Favoriten aus Russland. Verdient.

Pause

Puhh, eine Pause von knapp 20 Minuten wurde angesagt. Zeit um aufs Klo zu gehen, etwas zu trinken, kurz durch die Merchandising-Artikel zu schlendern und sich dann ganz gemütlich wieder hinzusetzen. So zumindest der Plan. Allerdings blieb ich direkt bei den Merchandising-Ständen hängen und wurde erst aus meinem Kaufrausch gerissen, als die Klingel die zweite Runde ankündigte. Eine neue Tasche freut sich dafür, ab sofort im Tanztraining eingesetzt zu werden. Bedürfnisse wie Toilette oder Trinken werden auch völlig überbewertet.

Runde Zwei und das Highlight des Abends

Gestartet wurde mit den männlichen Solisten. Vor allem die Jungs aus Polen und Südafrika konnten mich überzeugen. Viele Fragezeichen hinterließ der Auftritt „New Beginning“, bei welchem der Interpret ein Klo mit auf die Bühne brachte. Dies habe ich bis heute nicht verstanden. Liegt wohl über meinem Niveau ;-)

IMG_3029Es folgten die gemischten Paare. Achja, ein Traum. Es gab viel fürs Herz und auch einiges zu lachen. Eine unglaublich starke Kategorie. Doch das Pärchen aus Südafrika musste gewinnen! Sie vertanzten einen Heiratsantrag. Aber mit was für eine Freude und Glücksseligkeit, die Gefühle sprangen voll zu mir über. Nein wirklich, dieser Tanz machte einfach unglaublich glücklich. Ich hatte Gänsehaut!

Und die wurde ich auch nicht mehr los. Denn nun kam das Highlight – bzw. DIE Highlights – auf die Bühne. Die großen Gruppen. Und verdammt, die großen Requisiten! Eine Gruppe brachte einen Vulkan mit auf die Bühne. Würden wir diesen auf unsere Karnevalsbühne stellen, wäre die mal glatt voll. Ich weiß gar nich12301603_1070377302997159_3503990855189635210_nt, wo ich anfangen soll. Die Tänze waren durch die Reihe weg der helle Wahnsinn. Das deutsche Team begeisterte mit einem Tanz nach dem Motto „A sweet but deadly sin“. Eine fantastische Choreographie, aber vor allem die unzähligen, funkelnden Requisiten machten den Tanz zu etwas ganz Besonderem. Ein einmaliges Erlebnis. Weiterhin beeindruckten mich die Polen mit ihrem Tanz „Full Moon“. Dabei wurde noch nicht einmal eine Geschichte vertanzt! Nein, es waren alles einfach „nur“ Wölfe (die Kostüme waren der Hammer!), welche unfassbar synchron getanzt haben. Ohne Story, ohne Musikwechsel – Ich weiß nicht wie, aber der Tanz hat mich nicht mehr losgelassen und fesselt mich auch jetzt im Nachhinein noch.

Die Weltmeister der zweiten Runde

Den Weltmeistertitel im männlichen Solo sicherte sich Jan Ravnik aus Slovenien. Damit ließ er insgesamt 25 Konkurrenten hinter sich. Und JA!!! Das gemIMG_3201ischte Duo ging an Micaela Todd und Kalon Badenhorst aus Südafrika. Die Ergriffenheit der beiden war in der gesamten Arena spürbar. Mit voller Inbrunst und unter einem Tal aus Tränen sangen sie die südafrikanische Nationalhymne. Ein tolles Paar, ein toller Tanz und ein verdienter Sieg!

Und dann wurde es plötzlich sehr spannend. Die Sieger der großen Gruppen wurden verkündet. Eine nach der anderen wurde auf die Bühne gerufen. Als nur noch drei übrig waren – darunter auch die deutsche Crew – stieg die Spannung ins Unermessliche. Auf Platz drei landeten die Wölfe aus Polen – Schade, ich hätte sie in den Top zwei gesehen. Deutschland erhielt den Vizeweltmeistertitel und landete damit knapp hinter der Formation aus Russland. Mit ihren Tanz zu „Anna Karerina“ setzten sie sich an die Spitze der 24 angetretenen Formationen. Hier die besten Bilder des Abends:

Here is a small review of Showdance-final :)Now we look forward to a great Tapdance-week in SACHSENarena Riesa :)(c) Fotostudio Schröter

Posted by The Official IDO World Championships in Show- & Tapdance Riesa on Dienstag, 1. Dezember 2015

Damit ging um kurz nach elf ein spektakulärer Abend zu Ende. Neben unbeschreiblich guten Tänzen war es vor allem die Atmosphäre, welche mich begeisterte. Es war bestimmt nicht mein letztes Mal in Riesa!

Keep Dancing!

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